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Einfach anfangen
Gemeindeaufbau mit dem Gottesdienst-Team
Christian Trebing

Einführung ins Konzept eines gottesdienstzentrierten Gemeindeaufbaus

Mit diesem Konzept verabschiede ich mich von einigen althergebrachten Vorstellungen von der Vorbereitung und dem Ablauf von Gottesdiensten in unseren Kirchen. Ich weiß, dass darüber viele „entsetzt“ sein werden, aber ich empfehle den Kirchengemeinden darüber nach zu denken und zu diskutieren (manche Kirchen haben die Möglichkeit einer Gemeindeversammlung).
Einige der für mich überholten Vorstellungen sind, dass der Gottesdienst immer und überall gleich sein muss, dass er sonntags von 10-11 Uhr stattfindet und strenge rituelle Formen einhalten muss. Ich empfehle die Liturgien pseudofeierlicher Vergangenheit abzulegen und im Geist des Evangeliums neue Liturgien zu schreiben.
Schrecken Sie dabei vor nichts zurück, was dem Evangelium seine fröhliche und frische Farbe zurückgibt. Seien Sie mutig, popularmusikalisch und kreativ. Singen Sie dem Herrn wirklich ein neues Lied und reden Sie nicht nur darüber. Berühren Sie Ihre Gemeinde mit der Kraft des Evangeliums von der Auferstehung des Gekreuzigten. Alles andere besorgt der Heilige Geist. Erneuern Sie Ihren Gottesdienst mit einem Team von Menschen aus Ihrer Kirchengemeinde. Dieses Konzept zeigt Ihnen den Weg dazu in 6 Schritten unter dem Motto: „Einfach anfangen“.
Lesen, diskutieren, loslegen. Auch Sie können sich verändern und Ihre Kirchengemeinde wird Ihnen dankbar sein.

Bis in die Gegenwart glauben fast alle Verantwortlichen in den deutschen Großkirchen daran, dass man die Vergangenheit der kirchlichen Arbeit mit leichten Modifikationen in die Zukunft führen könne. Man versucht sich gern einzureden, dass es „mal wieder anders“ werden würde. Früher galt sogar die Meinung, es muss uns erst wieder schlecht gehen, dann entdecken die Leute den Glauben an Gott. Ich halte diese und ähnliche Standpunkte für gefährlich, sie werden am Ende dazu führen, dass die Großkirchen in in unserem Land Insolvenz anmelden müssen und „abgewickelt“ werden! Wir haben heute einen neuen Trend zur Säkularisierung der Gesellschaft (bei gleichzeitigem Wachstum der Esoterik im Privaten), der sich in einem unglaublichen Tempo entwickelt. Wenn es den Kirchen nicht gelingt, ihren Noch-Mitgliedern das Evangelium klarer zu vermitteln, werden die Kirchen bedeutungslos zurückbleiben.
Die Abwendung vom Glauben an Gott und der Mitgliedschaft in einer Kirche vollzieht sich schleichend, aber mit immer stärker werdender Dynamik. Während aggressive Atheisten den Menschen im Internet den schnellsten Weg aus der Kirche schmackhaft machen (Kirchenaustritt.de), laufen bei uns mittelalterlich inspirierte und betuliche Gottesdienste weitgehende ohne Rücksicht auf die Veränderungen in der Gesellschaft.
Die große Mehrheit der Menschen mit Kirchenkontakt entstammt der Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Hier ist noch eine Restbindung an die Kirche (an den Glauben) aus Kindheit und Jugend vorhanden. Eine Sehnsucht nach Gottesbeziehung und kirchlicher Orientierung, die sich zumindest darin manifestiert, dass man seine Kirchensteuer zahlt und darauf setzt von der Geburt bis zum Tod kirchlich begleitet zu werden. Doch die heutige, jüngere Generation hat zu den in starren Strukturen des „Mittelalters“ erstickten Kirchen keine Beziehung mehr. Sie will sich nicht mehr von einer Kultur vergangener Machtorganisationen beherrschen lassen. Sie misstraut ganz allgemein auch den nicht hinterfragbaren Apparaten, die sich in pompösen Aufzügen ihrer Spitzenvertreter manifestieren. Der Lebensstil der heute 20-40jährigen ist völlig anders als der ihrer Eltern und Großeltern, aber nicht unbedingt weiter vom Evangelium entfernt. Geblieben ist eine tiefe Sehnsucht nach Gerechtigkeit in der Welt und Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit und Selbstbestimmung. Mögen das auch in erster Linie innerweltliche Größen sein, so verbirgt sich doch dahinter ein konkretes Fragen nach Werten, die heute und morgen überdauern. Gerade junge Menschen sind bereit, sich selbst für Werte einzusetzen, die ihre Heimat im christlichen Glauben hatten, nun aber säkularisiert überall auf der Welt kommuniziert werden, Frieden, Freiheit, Nächstenliebe und Bewahrung der Schöpfung. Hier ist eine Basis, um mit dieser Generation wieder ehrlich ins Gespräch zu kommen. Diese Werte brauchen einen langen Atem und eine starke Bindung. Wer für diese Werte eintritt, tut es aus Überzeugung und investiert auch persönliche Zeit.

Die Katholische Kirche hat sich nach 40 Jahren wieder einmal mit der Krise der eigenen Kirche beschäftigt. Dazu wurden 300 Delegierte eingeladen, die die Basis repräsentieren sollten. Sie diskutierten mit einigen Bischöfen über die Zukunft, die umstrittensten Themen wurden allerdings ausgeklammert, die lautesten Kritiker erst gar nicht eingeladen. Nun will man in den nächsten fünf Jahren herausfinden, wo die Kirche steht und vor allen Dingen, wie sie die Botschaft Jesu den Menschen nahe bringen kann. Eingefordert auf dieser Tagung wurde eine stärkere Beteiligung des Kirchenvolkes. Die aktuellen Themen waren natürlich auch in der Diskussion, Zölibat, Missbrauchsopfer und Frauenordination, auf sie werde ich hier nicht näher eingehen. Zugegeben, die Katholische Kirche hat in der Gegenwart mehr Baustellen zu betreuen als ihre evangelische Schwester. Aber sie hat ihr die Erkenntnis voraus, dass Kirche in einer Krise ist! Wir Evangelischen sind noch lange nicht so weit, wir beruhigen uns mit einer gewissen Fortschrittlichkeit und unseren gut besuchten Kirchentagen.
Doch die „unchristliche“ Gesellschaft nimmt uns Christen ohnehin nur noch im Doppelpack wahr, die „Kirche“ eben. Unsere Probleme wachsen zudem aus den gleichen Wurzeln, wir stecken mit unseren Gottesdiensten, unserem parochialen Denken und dem Umgang mit den „Laien“ in der Gemeinde immer noch tief im „Mittelalter“. Sind unsere Entscheidungsprozesse auf evangelischer Seite durch Synoden auch transparenter, so hat aber andererseits unser arg säkularisiertes Kirchensteuerzahlervolk den Glauben weitgehend verloren. Wer deshalb für eine missionarische Kirche argumentiert, wird milde belächelt oder ausgegrenzt. Erfreulicherweise gibt es inzwischen auch andere Signale, sogar von Bischöfen! Wir vergessen leicht, dass auch unser Land durch die lebensgefährlichen Aktivitäten einiger irischer, schottischer und englischer Missionare zum christlichen Glauben gefunden hat. 
Die eigentliche Krise in den evangelischen Kirchen ist das mangelnde Gottvertrauen durch eine wachsende Gleichgültigkeit der Noch- und Nichtmehrchristen. Die Argumente von den Sicherheit gebenden Ritualen, die die Kirche vermitteln müsse, kann ich nicht mehr hören. Auf die Kraft dieser Pseudoreligosität möchte ich nicht die Zukunft der Kirche bauen! Das „Priestertum aller Gläubigen“ wurde bei der katholischen Krisentagung vom Münchner Kardinal Marx beschworen. Das kennen wir Evangelischen seit der Reformation, aber auch bei uns kommt dieses Bibelzitat bis zum heutigen Tag nur schwer in der Praxis an! Wir sind auf halbem Wege stecken geblieben und warten immer noch auf den Einsatz der Mechaniker, die den Wagen wieder flott machen sollen. Sie sind der Mechaniker, der in Ihrer Kirchengemeinde gebraucht wird!

Die Krise der Kirchen wird auch nicht durch immer wieder neue Stellungnahmen gelöst, sondern kann nur in einer neuen „Praxis“ vor Ort überwunden werden. Es ist zu allen relevanten Facetten der heutigen Krise der Kirchen eine Menge gesagt und geschrieben worden, wir müssen jetzt einfach handeln!
„Jetzt einfach“ meine ich dabei in einer doppelten Bedeutung, nämlich sofort und eben „einfach“. Wir müssen die Komplexität der Reformideen auf eine handhabbare Ebene reduzieren. Was zu tun ist, muss „anwendbar“ kommuniziert werden. Ich habe es deshalb mit diesem Konzept auf sechs pragmatische Schritte heruntergebrochen. Meine Erfahrung in vielen Bereichen der Mitarbeiterführung hat mir gezeigt, dass es nicht genügt, die richtige Erkenntnis zu haben, es kommt in der Hauptsache auf die Kraft der Umsetzung an. Wer hier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterhelfen will, muss die Wege entwickeln, die schrittweise das Problem lösen. Das „Einfache“ realisieren bedeutet nämlich nicht, alles vereinfachen, sondern eine gemeinsame Wegbeschreibung zu erarbeiten. Ich beschreibe Ihnen deshalb den Anfang eines Weges, der eine radikale Veränderung kirchlicher Arbeit in der Gemeindepraxis zur Folge haben wird. Diese Veränderung kann nur in der Ortsgemeinde vollzogen werden und sie kann in allen Kirchen gelingen, gleich welche Strukturen sie jetzt haben. In der Ortsgemeinde ist für uns der Gottesdienst der entscheidende Kulminationspunkt kirchlichen Handelns, deshalb setze ich hier an.

Die angesprochene Veränderung unserer Gesellschaft ist im Gottesdienst nur in winzigen Spuren verarbeitet worden. Es gibt Kongresse und Initiativen, da und dort Modelle für Sondergottesdienste, es wird probiert und diskutiert und es gibt sogar Gemeinden, die Ihre Gottesdienste  wirklich erneuert haben. Aber die große Masse der Gemeinden hat bisher nur wenig reagiert. Wir betreiben einen hohen Personalaufwand für wenige Gottesdienstbesucherinnen (über „Besucher“ brauchen wir gar nicht erst zu diskutieren!).
Wir feiern in der Regel den Gottesdienst heute wie früher mit „mittelalterlich“ geprägten Liturgien und Liedern, als wenn die Welt sich seit 500 Jahren nicht verändert hätte. Für diese Art des Gottesdienstes gibt es ja immer irgendwelche theologischen Gründe, ich habe sie auch gelernt und vertreten. Wir machen weiter so, als lebten wir in den Zeiten Martin Luthers oder Paul Gerhardts. Wenigstens von Zinzendorf könnten wir lernen, dass Kirche ein sich verändernder missionarischer Prozess ist. Doch dieser „Kirchenvater“ ist nur wenigen Evangelischen wirklich bekannt (bis auf seine Losungen). Durch die Reformation ist das „Mittelalter“ wirklich in der Gegenwart gelandet. Sie blieb unvollendet und es wurde keine sich selbst reformierende Kirche, wie sie Luther einst gefordert hatte.
Wer macht sich schon Gedanken darüber, was wir an musikalischen, sprachlichen und strukturellem Ballast noch so mit uns rumschleppen? Wir haben es hingenommen und nicht hinterfragt, weil es immer so war. Wir hatten vielleicht auch Angst, das Evangelium durch eine Reform von diesem Ausmaß zu verlieren. Es gibt viele Gründe für die Furcht vor Veränderung. Leider hat die Theologie in den letzten hundert Jahren die Menschen mehr verunsichert, als ihnen einen Weg in die Zukunft zu ebnen. In den vergangenen Jahrhunderten waren es große Theologen, die der Kirche immer wieder einen Neubeginn schenkten. Das können wir heute in Deutschland nicht mehr erwarten. Unsere Mitchristen in den Entwicklungsländern sprechen da eher von einer „deutschen Krankheit“, die den Zweifel in den Herzen der Menschen sät. Aber wer will das schon bei uns in der Kirche hören, wo wir doch glauben, die beste Theologie der Welt zu haben....

Verhindert haben die Zukunftsfähigkeit der Kirche aber vor allem die, denen es nur darum ging, die Vergangenheit dieser Mittelalterkultur zu retten, weil sie ihre eigene Machtbasis angegriffen sahen. Sie haben kleine Korrekturen zugestanden, um für sich und das, was sie Kirche nennen, einen Weg in „ihre Zukunft“ zu finden. Das ist menschlich, aber völlig kurzsichtig im Hinblick auf die Zukunft der Kirche. Erneuerung kann deshalb jetzt nur noch radikal sein, an die Wurzel gehend, denn der Weg in die Zukunft ist nun sehr steinig geworden. Wer ihn aber nicht geht, wird einfach keine Zukunft mehr haben! Wir sehen das in den Ballungsgebieten des Westens schon heute, im Osten unseres Landes noch stärker. Der Verkauf von Kirchen und Gemeindehäusern hat begonnen. Die Verwalter des Mangels an kirchlichem Leben sind bereits eingestellt und suchen nach pragmatischen Lösungen. So wie die Gegenwart in den Kirchen nur noch nach Kostengesichtspunkten organisiert wird, kommt auch für die Zukunft das Spardiktat. Einzelne Gemeinden stemmen sich gegen die Kostenkeule einiger Kirchenleitungen mit neuen Initiativen. Andere Kirchenleitungen erkunden den Fundraisungbereich und entdecken, dass Sponsoring neben den traditionellen Kollekten auch ein Planungsinstrument für die Finanzen sein kann. Eins müssen wir an der Basis feststellen, Geld gibt es auf dem freien Markt der Spender nur, wenn die Gegenleistung stimmt. Deshalb ist die Spendenbereitschaft innerhalb unserer Wohlstandsgesellschaft in der Kirchengemeinde auch ein wichtiger Indikator kirchlicher Akzeptanz, vielleicht sogar kirchlichen Lebens. Denn es gibt nur der, dem banal ausgedrückt, „gefällt“, was dort geschieht, dessen Einsicht gewonnen wurde. Das mag uns schmecken oder nicht, die Menschen brauchen eine gute Beziehung zu dem, wofür sie spenden. Sie entwickeln dabei auch ein feines Gespür dafür, wo Geld gebraucht wird und wo es sinnvoll angelegt ist. Das dürfen wir als Kirche nicht unterschätzen. Es geht nicht darum, dass wir den Menschen nach dem Mund reden, aber wir müssen unsere Finanzprozesse transparenter gestalten und Überzeugungsarbeit leisten.

Zu lange sind wir in den Großkirchen leichtfertig mit den reichlich fließenden Kirchensteuern umgegangen. Alle Warnungen vom Ende der Volkskirchen wurden in den Wind geschlagen. Jetzt zeigt sich auch in Westdeutschland, wir haben uns nicht auf eine neue Generation von Menschen eingestellt, die nicht mehr selbstverständlich den kirchlichen Rahmen des „Mittelalters“ für ihr Leben braucht. Diese Generation ist der Kirche allgemein nicht feindlich gesinnt, sie findet das Unternehmen Kirche nur einfach langweilig! Und damit hat sie recht!

Ich habe dieses Jahr (nach fast zwanzig Jahren) vertretungsweise Konfirmanden und Konfirmandinnen auf ihre Konfirmation vorbereitet. Ich hatte nur einen Samstag, um sie kennen zu lernen und Vorstellung und Konfirmation zu planen. Bei einem Punkt waren sich alle zu Konfirmierenden einig: Der herkömmliche Gottesdienst ist „langweilig“! Die Einschätzung kam unabhängig voneinander schriftlich, also ohne Absprache. Bei allen der gleiche Terminus: langweilig. Meist noch, „zum Einschlafen“!
Wer nicht am Gottesdienstgeschehen teilnimmt, der wird teilnahmslos! Deshalb ist eines meiner wichtigsten Konzepte für eine erfolgreiche Kommunikation des Evangeliums die Beteiligung (Partizipation, vgl. mein Buch, Genau meine Musik, Kreative Gottesdienste an jedem Sonntag, S. 88). Neben der Visualisierung des Evangeliums und des Einsatzes kreativer Gestaltungen (in Wort, Spiel und Musik) ist die aktive Beteiligung für mich der entscheidende Knackpunkt. Ich möchte Ihnen mit diesem Konzept den Weg zu einer kommunikativen Kirche ebnen, die das Evangelium in die Formen ihrer Zeit übersetzt. Ich lasse das Nachsinnen über die Subkulturen einmal beiseite. In zahlreichen Untersuchungen wird dem heute ein großer Platz eingeräumt. Im Kommunikationsprozess sind die soziokulturellen Faktoren ein interessanter Punkt, besonders im Hinblick auf die Jugendlichen. Meine Aufmerksamkeit gilt hier aber zunächst dem „Mainstream“, der Masse der noch heute Kirchensteuer zahlenden Generation der 20-50jährigen. Wenn wir sie wieder gewinnen, können wir uns weiteren Zielgruppen zuwenden. Wenn wir sie nicht gewinnen, werden wir ohnehin zu einer Randgruppe der Gesellschaft. Erst wenn es uns gelingt, die noch Interessierten wieder zu aktivieren, können wir uns konzentriert auch denen zuwenden, die den Kirchen schon völlig den Rücken gekehrt haben oder noch nie mit Kirche und Glauben an Gott zu tun hatten.

Nehmen wir einmal an, der Gottesdienst sei das wesentliche Zentrum dessen, was wir als Kirche in dieser Welt heute zu tun haben. Unser Auftrag hat noch viele andere Aspekte, aber wenn die Mitte verödet, dann werden wir keine Kraft mehr haben, wirklich Kirche in der Welt und für die Welt zu sein. Deshalb gelten meine Überlegungen der Frage, wie können wir dieses Zentrum der kirchlichen Verkündigung so relevant gestalten, dass Menschen „live“ dabei sein wollen.
Mein Ausgangspunkt: Der Gottesdienst muss in der Freude des Auferstandenen gefeiert werden, das war das Fundament der ersten Christengemeinden. Die „Gute Nachricht“ von der Auferweckung des Gekreuzigten ist das Hoffnungssignal für die Welt. Sie verändert alle Dimensionen unseres Lebens. Damit diese Freudenbotschaft unter uns wieder Menschen beGEISTern kann, muss sich der Gottesdienst in Form, Struktur, Sprache und Musik so verändern, dass er ein erfahrbarer Teil unserer Kultur wird. Wir nennen das heute, Kirche muss „kulturrelevant“ werden, um in der Gegenwart anzukommen. In der Missiongeschichte Junger Kirchen nannte man das, Kirche muss „einheimisch“ werden, sie muss bei den Menschen zu Hause sein. Genau so erwartet es Jesus von uns. Sein Leben, Sterben und Auferstehen muss unter uns präsent werden. Wir müssen die Übersetzungsarbeit im Gottesdienst so anpacken, wie wir es mit einer modernen Bibelübersetzung tun. Dazu gibt es viele konkrete Beispiele. Wer dem „Lutherdeutsch“ und dem „Paul-Gerhardt-Barock“ nachtrauert, wird nie in der Gegenwart ankommen. Der lebt wie die „Amish“ in Nordamerika seiner Zeit hinterher.
Ich möchte Ihnen in sechs Schritten zeigen, wie Sie Ihre Kirchengemeinde aus dem Gottesdienst heraus erneuern können. Seien Sie skeptisch gegenüber allen, die Angst vor Veränderung haben. Nur durch Veränderung wird es eine Erneuerung geben. Das gilt für alle unsere Kirchen. Die Probleme sind überall anders gelagert, aber prinzipiell gilt, nehmen wir Abschied vom „Mittelalter“ in all seinen Formen, gestalten wir Kirche im 21. Jahrhundert!
Es ist nicht nur die organisatorische Veränderung, die ich in der Gottesdienstgestaltung anstrebe. Es entwickelt sich aus diesem Konzept eine geistliche Erneuerung unserer Kirchen, wenn wir der dynamischen Kraft des Evangeliums vertrauen.

1. Schritt
Bilden Sie ein Gottesdienst-Team

Auch wenn Ihnen dieser Vorschlag eigenartig vorkommen mag, die entscheidende Veränderung für eine zukunftsorientierte kirchliche Arbeit ist die Bereitschaft, diesen Weg zu gehen. Dieser Weg fängt eben nicht mit diversen Konzepten an, die trainiert werden müssen, sondern mit einer Grundsatzentscheidung für die Praxis, Sie arbeiten ab sofort mit einem offenen Team!
Auch wenn Sie skeptisch den Kopf schütteln, es ist der beste Weg, um die Kirche wieder zu ihren Wurzeln zu führen und sie dann zukunftsfähig zu machen. Für den ersten Teil des Weges habe ich in meinem Buch „Und ER schrieb doch“ (Wort im Bild) die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit der neutestamentlichen Überlieferung neu aufgerollt. Es bietet einen völlig neuen Blick auf der Grundlage der Erkenntnis, dass Jesus und seine Jünger selbst schreiben konnten und Teile seiner Botschaft aufgeschrieben haben. Was Ihnen vielleicht zunächst fremd vorkommt, wird sehr schnell Ihren Horizont öffnen. Doch zurück zum Weg aus der Krise: Dieser Weg hat zwei wichtige Aspekte, er führt uns erstens aus der Falle der obrigkeitsorientierten Pfarrer- oder Priesterkirche und eröffnet uns zweitens eine neue Chance für das „Priestertum aller Gläubigen“. In diesem Team haben Neid und Missgunst nichts verloren, hier arbeitet einer für den anderen, lernt vom anderen und lässt ihn am eigenen Können und Denken teilhaben. Ich arbeite auch in unserem Verlag nach diesem Modell und finde es jetzt bestätigt durch die Forschungen von Olaf-Axel Burow. Der Pädagogikprofessor aus Kassel, beklagt, dass in unseren Schulen mit „pisanischer“ Gründlichkeit nur nach zähl- und messbarem gelernt wird. Damit fallen viele in anderen Bereichen begabte durchs Raster. Er plädiert für das „Beatles-Modell“. Was auf den ersten Blick verrückt klingt, wird schnell klar: „Die Beatles sind für mich ein Beispiel dafür, dass Menschen ihre besonderen Begabungen erkennen und mit anderen ein kreatives Feld bilden können.“ (Interview in der Frankfurter Rundschau vom 28. Juli 2011, Nr. 173, S. 23)

Teamarbeit war und ist der einzige Weg, um dem Evangelium entsprechend zu verkündigen und eben auch missionarisch zu arbeiten. Und Mission ist die Zukunft der Kirche weltweit, nur wo Mission, also Sendung, ist, kann Kirche gedeihen. Kirche ohne Mission wird vergehen, weil sie den Auftrag Jesu nicht ernst nimmt.
Es bringt gar nichts, noch lange über die Zerrbilder missionarischer Arbeit aus amerikanischen Filmen oder Fernsehshows  zu streiten. Damit lässt sich Mission nicht als erledigt erklären. Das Evangelium setzt selbst Mission in Kraft, wer das vergisst, verliert seine Vollmacht vom Evangelium zu sprechen. Wem egal ist, ob Menschen an Gott glauben oder nicht, der sollte ehrlich sein und einen anderen Beruf wählen, er verrät sein Ordinationsgelübde.
Es gibt nur einen Weg aus der Krise der Kirchen, die Wiederentdeckung der missionarischen Dimension der „Guten Nachricht“.
Mission funktioniert aber nur als Teamarbeit, das haben wir schon bei Paulus gelernt, der immer ein Netzwerk von Leuten für seine Missionsreisen aufgebaut hat. Wir brauchen nicht die charismatischen Redner oder „Einpeitscher“, die früher Massen begeistert haben. Wir brauchen das Team, das beständig und vielfältig arbeitet und sein eigenes Leben im Glauben an den Auferstandenen einbringt. Das bedeutet nicht, dass eine gute Ansprache im Gottesdienst erledigt ist, im Gegenteil. Aber sie muss kurz und interessant sein. Sie muss auf den Punkt kommen, Alltagswelt, Alltagssprache mit dem Evangelium verknüpfen.
Früher dachte man bei kirchlicher Teamarbeit immer „inklusiv“, also wer zum Team gehören will, muss mehrere Leistungsstufen der Ausbildung durchlaufen haben. Es waren eben Abziehbilder von Theologen gefragt. Von diesem leistungsorientierten Denken halte ich heute nichts mehr. Der von Jesus Geheilte hat auch kein Seminar besucht, bevor er die „Gute Nachricht“ seiner Befreiung weitererzählte. Das Gottesdienst-Team vereint für mich die Menschen, die mit ihren Gaben in Gottes Dienst treten wollen. Wir fragen also nach den Charismen, nicht nach dem Standard christlicher Bildung oder dem geistlichen Können. Wir suchen für unser Team Musiker, Sängerinnen, schauspielerisch Begabte, Leute, die gut vorlesen können, Kreative und Spontane, Leute, die frei beten und das Mischpult einer Verstärkeranlage bedienen können, Leute, die Anspiele oder Zeitungsartikel schreiben, Künstler für alle Bereiche kommunikativer Kultur....
Die Liste ist nicht abgeschlossen, aber ein Teil dieser „geistlich Begabten“ finden sich in jeder Kirchengemeinde. Vielleicht sind einige davon im Kirchenvorstand, in Gemeindekreisen, unter Kindern und Jugendlichen, einige waren bisher nur Randsiedler, sie sind niemandem aufgefallen, weil keiner ihre Begabung erkannt hat. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, das Potential ist groß. Aber es kann nur gehoben werden, wenn wir in aller Offenheit diesen Menschen zutrauen, etwas für ihre Kirchengemeinde zu tun.
Die Bildung eines Gottesdienst-Teams ist eine Aufgabe, die beispielhaft für künftige Kirche steht. Wir geben den sogenannten „Laien“ die Möglichkeit, in ihrer Kirche über ihren Glauben an Gott zu sprechen. Wir fragen nicht, wie groß oder klein ihr Glaube ist, ob sie wenig oder viel zweifeln, ob sie gebildet oder ungebildet sind, wir vereinen sie in ein Team von Christen, die etwas für die Zukunft ihrer Kirche tun wollen.
Wie sich ein Gottesdienst-Team dann entwickelt, hängt davon ab, ob es eine geistliche und auch emotionale Mitte findet. Dazu sind Pfarrerinnen und Pfarrer nötig, die moderieren, ausgleichen und motivieren können. Die das Evangelium immer wieder in die Gottesdienstvorbereitung durch Erzählen und Auslegen einbringen. Das zu Lernen, wäre ein wesentlicher Punkt für die künftige Pfarrerausbildung.
Der Aufbau eines Gottesdienst-Teams hat noch viele andere Aspekte, die ich in diesem Zusammenhang nicht darlegen kann. Aber ohne dieses Team wird es keinen langfristigen Erfolg in der zukünftigen Gemeindearbeit geben. (Vgl. Christian Trebing, Genau meine Musik, Kreative Gottesdienste für jeden Sonntag, Altenstadt 2010).
Aus der Analyse vieler gegenwärtiger Projekte kann ich sagen, dass zwar mit anderen Modellen kurzfristige Erfolge erzielbar sind, aber kein bleibendes Wachstum. Wenn also sterbende Kirchen wieder wachsen sollen, müssen wir sie auf einer breiten Basis aufstellen. Wer dabei keine missionarischen Konzepte anwenden will, wird zum Totengräber seiner Gemeinde. Vielleicht überlebt er noch ein Weilchen mit traditionellen musikalischen Kulturangeboten, aber da diese Form kulturellen Geschmacks von weniger als 10% der Bevölkerung goutiert wird (1,8% bei Jugendlichen), ist das Ende absehbar. Auch die Flucht in die politische Orthopraxie endet wie bereits tausendfach erlebt in einer Sackgasse.

Mit einem Gottesdienst-Team ist es möglich, langfristig einen oder zwei Gottesdienste im Monat zu gestalten. Wir machen das in Neuberg (bei Hanau)  mit einer „schlanken“ Vorbereitung, ein monatliches Treffen für die Besinnung auf das Thema, das Entwickeln von Kommunikationsideen, praktische Vorbereitung durch Malen und Sketche und natürlich das Einüben von neuen Liedern. Wir nehmen uns von 19-22 Uhr Zeit auch für Gespräche und manchmal gibt es noch eine Pizza zwischendurch. Nach einigen Monaten haben wir festgestellt, wir müssen unsere Lieder noch besser üben, damit der Gesang professioneller wird. Deshalb machen wir jetzt mit viel Freude noch einen zusätzlichen „Liederabend“. Auch die inzwischen entstandene Band braucht einen eigenen Abend, um gemeinsam am Sound zu arbeiten. Davon später mehr.

Zunächst ist wichtig, dass sich diese neuen Elemente aus dem Gottesdienst-Team heraus entwickeln und nicht verordnet werden. Jeder/jede soll selbst entscheiden, wieviel Zeit er einbringen kann. Aber alle sollen spüren, es braucht eine gewisse Verbindlichkeit.

Ein dritter Kreativ-Gottesdienst kann z.B. von der Konfirmandengruppe (einer Jugendgruppe, den Ministranten) eingebracht werden. „Learning-by-doing“ heißt da mein Konzept dieses „Mit-Mach-Gottesdienstes“, der sich stärker an Jugendliche und junge Erwachsene wendet und noch stärker das traditionelle Gottesdienstschema durchbrechen kann. Hier sollen junge Leute den Freiraum haben, die ersten Schritte des Glaubens zu buchstabieren. Gestalten die Konfirmanden oder Firmkinder den Gottesdienst, kann er aus dem Unterricht  heraus entwickelt werden. So kann es eine Interaktion der Kinder und Jugendlichen mit ihren Eltern geben, die damit den Unterricht ihrer Kinder kennenlernen können. Vor allen Dingen übernehmen Jugendliche schon früh selbst Verantwortung für ihre Kirchengemeinde und spüren: Ich bin hier wichtig, meine Gemeinde nimmt mich ernst, sie vertraut mir!

Der vierte Monatsgottesdienst wird kreativ auf eine andere Weise. Im Mittelpunkt steht das Gespräch statt einer Predigt. Es geht mir nicht um einen Pseudodialog, der zwischen Pfarrer/Pfarrerin und einem Gemeindeglied geführt wird, sondern um ein wirkliches Gespräch. Ich habe diese Form schon in den verschiedensten Gemeinden praktiziert und eigentlich nur positive Überraschungen erlebt. Die Liturgie mache ich nach dem „Rüdigheimer Modell“ (Vgl. Ich freue mich, Lieder zum Mitsingen, Verlag Wort im Bild, dort ist eine seit über 20 Jahren von mir praktizierte Agende abgedruckt). Statt Predigt gibt es eine kurze Einführung zum Thema oder ein christliches Lebensbild. Dann verteile ich z. B. ein Heft mit Bildern und Texten oder Kleinplakate A4 mit Bildern und/oder Texten. Gute Erfahrungen habe ich u.a. mit dem Heft „Franz von Assisi, Sonnengesang, mit Bildern von Reinhilde Rieger“ gemacht. Jeder GottesdienstbesucherIn kann sich nun ein Bild und den Text aussuchen und darüber reden. Hier soll persönliche Lebenserfahrung im Glauben zur Sprache kommen und genauso Anfragen an unser gesellschaftliche Wirklichkeit etc. Erstaunlicherweise haben sich in meinen Gottesdiensten immer so viele beteiligt, dass ich irgendwann abbrechen musste. Es braucht in jedem Fall die Visualisierung, es müssen Bilder vorhanden sein, dann trauen sich auch Konfirmanden und Senioren, ihren Beitrag einzubringen. In einem Gottesdienst sagte mir anschließend ein Kirchenvorsteher, auf diesen Moment habe ich über 30 Jahre gewartet, zuletzt durfte ich bei der Konfirmandenvorstellung etwas in einem Gottesdienst frei sagen!
Ein Mitglied des Gottesdienst-Teams kann während des Gesprächs einzelne Anliegen sammeln und sie zu einem Fürbittengebet formulieren, das diesem Gottesdienst dann eine ganz persönliche Note gibt.
Ich kann mir inzwischen sogar ein anderes Modell vorstellen, alle 14 Tage Kreativ-Gottesdienst am Sonntag (10.30 Uhr oder 17 Uhr), dazwischen samstags um 19 Uhr Abendandacht im Gemeindehaus nach dem zuletzt geschilderten Modell. Offener, persönlicher mit einem hohen Grad an Eigenbeteiligung der Gemeinde. Es wäre gleichzeitig ein Sparprogramm für die Gemeinden, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Personalkosten in den Griff bekommen sollen. In diesen Gottesdiensten läuft alles ehrenamtlich und jeder kann sich einbringen. In vielen Gemeinden sitzen zwischen 10 und 20 Leute im Gottesdienst. Für sie wäre die kleine und bescheidene Form der bessere Weg. Vielleicht einmal im Monat als Taizé-Gebetsgottesdienst oder in einer anderen meditativen Weise oder als Tisch-Abendmahlsgottesdienst im Kreis. Ich glaube, es gibt noch viele Ideen, um aus der verfahrenen Lage herauszukommen. Wichtig ist, dass in diesen Formen eine größere Eigenbeteiligung erreicht wird, ein echtes „Priestertum aller Gläubigen“. Mit all diesen Gottesdienstmodellen habe ich gute Erfahrungen gemacht. Sie müssen Teil eines neuen Gesamtkonzeptes werden, dann wird Kirche innovativ und bekommt eine neue Präsenz.

Viele der skizzierten Konzepte brauchen eine andere Gottesdienstvorbereitung, als Sie es bisher gewohnt sind. Das ist die Veränderung, die ich Ihnen vorschlage, um den Gottesdienst lebendig zu gestalten. Lebendige Gottesdienste sind kein Selbstzweck, sondern die Grundvorausetzung für ein neues Gemeindewachstum. Es ist doch schöner für Ihre Kirchengemeinde, wenn nicht über neue Einsparmaßnahmen und Kürzungen diskutiert werden muss, sondern darüber, ob weitere Mikrophone für das Gottesdienst-Team gebraucht werden! Glauben Sie mir, das Gottesdienst-Team wird in Ihrer Gemeinde über kurz oder lang eine Dynamik freisetzen, die Sie verwundern wird. Aber es braucht dazu noch einige weitere Schritte, die konsequent gegangen werden müssen.
2. Schritt
Verstehen Sie Spaß

Mit diesem Punkt hätten Sie sicher nicht gerechnet. Zugegeben er kommt nicht in praktisch-theologischen Lehrbüchern vor und vielleicht schütteln Sie jetzt auch den Kopf. Doch mal ehrlich, es sollte Ihnen selbst auch Freude machen, mit Ihrer Gemeinde in eine neue Zukunft zu starten. Es geht mir dabei nicht um eine neue Form kirchlicher Eventkultur, es geht nicht um Happenings und Sensationen. Es geht darum, ob die Freude des Evangeliums im Gottesdienst Raum gewinnt. Raus mit dem pseudofeierlichen Ernst und der Angst, etwas falsch zu machen, was den Ablauf stört. Beginnen Sie mit einer neuen Einstellung zu dem, was wir Gottesdienst nennen. In einem Gottesdienst in dem es nichts mehr zu lachen gibt, werden Sie auf die Dauer nur noch vergeistigte Senioren finden, die mit der bösen Welt nichts anfangen können. Aber glauben Sie mir, es gibt inzwischen auch Senioren, die ganz gut Rockmusik machen können! Sie freuen sich über eine fröhliche Geschichte oder einen lustigen Sketch, der das Thema auf den Punkt bringt.
Sie werden jedoch mit dem besten Team nichts erreichen, wenn Sie es nicht schaffen, vom Üben neuer Lieder bis zu den Abkündigungen im Gottesdienst Freude zu verbreiten.
Humorvoller Umgang mit Mitarbeitern führt zu einem humorvollen Umgang mit den Gottesdienstteilnehmern.  Das ist Ihnen zu viel Humor bei einer so ernsten Sache? Wer sagt denn, dass unsere „Sache“ so ernst ist, dass sie ohne Freude abgeht? Es heißt „frohe“ Botschaft, wo sie ankommt, soll Freude ausbrechen! Da darf ruhig auch mal gelacht werden. Wir haben in der Kirche einen großen Nachholbedarf an Humor. Wo Freude herrscht, wird mehr gelernt und mehr verändert, am Ende auch hoffnungsvoller Glauben geweckt. Ein Klima der Angst war allzulange in unseren Kirchen der Grund, Glaubensentscheidungen einzufordern oder den Gehorsam an weltfremde Dogmen, die sich weit von der biblischen Grundlage entfernt haben. Noch einmal, das Evangelium der Freude kann nur in und durch Freude weitervermittelt werden. Nicht durch Drohungen und Angstschablonen, die Erfahrung von Rettung und Vergebung löst Freude aus. Punkt.
Verstehen Sie Spaß? - So ganz menschlich darf man an das Evangelium herangehen. Das ist keineswegs oberflächlich, im Gegenteil, es verankert die Freude an Vergebung und neues Leben ganz tief in unserem Innern.

Die Angst vor zu viel Freude in der Kirche ist sehr verbreitet. Da werden schnell ein paar Vorurteile ausgepackt und Schubladen geöffnet. Was andere im Überschwang der Gefühle falsch gemacht haben, war vielleicht grundsätzlich gar nicht verkehrt. Eine fade, langweilige Frömmigkeit kann doch nicht der Standard unserer Gottesdienste sein!
In einer Kirche las ich kürzlich das Schild: „Verhalten Sie sich angemessen!“ Wie furchtbar, seien sie brav und angepasst, fallen Sie nicht auf, tragen Sie anständige Klamotten. Eine für die jesuanische Verkündigung völlig undenkbares Schild. In dieser Kirche wird es schwer sein, heimisch zu werden. Ich konnte feststellen, dass die Beichtstühle inzwischen zum Stuhllager geworden waren! Liebt denn Gott nur Normalos, die ihre Unterwäsche mit der Beißzange anziehen?

Icb bin weit davon entfernt, für charismatische Happenings zu plädieren, aber es gibt viele andere Formen, seine Freude im Gottesdienst auszudrücken, statt bloß in sich gekehrt in der Bank zu sitzen! Ruhe und Nachdenklichkeit haben ihre Zeit, leise, meditative Töne haben ihre Zeit, aber Freude steht an erster Stelle!

Wenn Ihre Kirchengemeinde vom Gottesdienst begeistert ist, dann darf sie das auch mit fröhlichem Mitklatschen bei den Liedern oder durch Klatschen zu Anspielen ausdrücken. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Menschen berührt wurden! Solche Menschen werden gerne wiederkommen. Wenn unser Herz erfasst wird von der Freude, dann darf doch die Emotion nicht mit liturgischen Ansprüchen niedergemacht werden. Der Gottesdienst ist kein Happening des Verstandes: Gefühle verboten! Sie sollten die Formen von Freude und Humor finden, die Ihre Gemeinde wieder zum Leben erwecken. Der Heilige Geist versteckt sich nicht in langweiligen oder unverständlichen Predigten und einer E-Musik, die nur noch Spezialisten verstehen, er ist fröhlich und lebendig und folgt dem Pauluswort: „Freuet euch in dem Herrn zu jeder Zeit.“ Spaß ist ein von Theologen oft diskreditiertes Wort, obwohl es nur die harmlose Variante von Freude ausspricht. Wir besserwisserischen Kulturprotestanten verformen diese Emotion dann gleich zur „Spaßgesellschaft“, die sich oberflächlich zeigt. Dann können wir sie besser aburteilen!
Es geht aber um die emotionale Nähe, die wir durch ein fröhliches Lachen austauschen. Das kann der Verkündigung des Evangelium nicht schaden, im Gegenteil!

Keine Angst vor Freude im Gottesdienst, keine Angst vor dem Lachen der Menschen, die durch Text oder Spiel emotional berührt werden. Es ist wichtig, dass Sie die für Ihre Gemeinde richtige Form finden. Lassen Sie sich nicht durch Miesepeter entmutigen.

3. Schritt
Wir lassen das „Mittelalter“ unserer
Liturgien und Lieder zurück

„Mittelalter“ ist für mich hier eine Chiffre für eine längst vergangene Zeit. In der Liturgie reicht sie wirklich in die Zeit des Mittelalters und sogar des Frühmittelalters zurück, noch immer verwenden wir gregorianische Musikschnippsel, um Gottesdienste zu feiern. Sie erzeugen eine Atmosphäre verstaubter Feierlichkeit, die allenfalls museal wirkt, allerdings im Sinne alter Museen, die ihre Fundstücke einfach zur Besichtigung aufreihen und keinen Wert auf die Vermittlung der Inhalte legen. Hier wird vordergründig „betrachtet“, aber nicht „vermittelt“, der Besucher sammelt nur wenige Erkenntnisse. Die Musik vergangener Zeiten gehört in Konzerte für Liebhaber dieser Musik. Missionarische Verkündigung läuft aber nicht nach dem Schema, nimm erst mal unsere Kultur an, dann kannst du ein richtiger Christ werden! Mit dieser Methode waren schon ganze Generationen von Missionaren auf dem falschen Dampfer. Es gibt auch gewalttätige Varianten dieser Methode, die wir zu Recht heute ablehnen. Wir sind keine Kulturpropagandisten, die Menschen auf ein überholtes Frömmigkeitsideal trimmen wollen. Kirche ist offen für neue Kulturen, für neue Formen, die Kirche Jesu Christi findet sich in allen Kulturen zurecht, das lässt sich aus einer zweitausendjährigen Missionsgeschichte belegen. Wer kulturelle Standards festhält, die Menschen nicht mehr berühren, wird die Menschen am Ende verlieren. Schade für diese Gemeinden!
Eine gute Liturgie ist wichtig für den Gottesdienst, so wichtig, dass wir sie nicht dem Zufall althergebrachter Auswahl überlassen können. Die Elemente der Liturgie müssen musikalisch und textlich in unsere Gegenwartskultur angekommen sein. Luther wusste, dass die Kirche sich immer neu reformieren muss. Wir Evangelischen aber haben die Formen der Reformationszeit dogmatisiert und dann konserviert. Die Elemente heutiger Liturgie müssen mit unser Kultur vermittelt werden, dann klingen sie einfach anders! Trotz aller lokaler Besonderheiten wird das immer auch einen starken Bezug zur weltweiten christlichen und auch säkularen Gegenwartskultur haben. In der Ökumene christlicher Kirchen sind außerdem viele liturgischen Elemente entstanden, die einem Gottesdienst gut tun. Sie sind textlich und musikalisch bestens für einen kommunikativen Gottesdienst geeignet, der die Freudenbotschaft Jesu in die Gegenwart übersetzt. Es ist die bleibende Aufgabe der Liturgie, die Gute Nachricht hörbar und emotional zum Klingen zu bringen. Die göttliche und die menschliche Ebene sollen sich finden, das Lob des Schöpfers und das liebende Werben des Erlösers.
Psalm, Dankgebet, Fürbittengebet mit Vaterunser, Lobpreis, Schriftlesung, Bekenntnis - sie müssen im Team neu gestaltet und in veränderten Formen dargeboten werden. Wir haben dazu mit unserem Neuberger Gottesdienst-Team einige Formen entwickelt, die für einen lebendigen Gottesdienst sorgen. Die mittelalterlichen Formen helfen uns nicht mehr weiter, wir müssen einen Weg in die Zukunft finden. Kommen Sie mit?

4. Schritt
Nehmen Sie sich die die Kultur
der 20-40jährigen vor

Das ist die Altersgruppe, die für die Kirche von heute entscheidend ist. Was sie denken, tun und leben, wird Ihnen zeigen, was für die Zukunft zu tun ist. Sie müssen das Evangelium nicht an diese Zielgruppe „anpassen“, sie müssen das Evangelium „übersetzen“. Wir laufen nicht den schlechten Gewohnheiten junger Leute hinterher, wir wollen ihre Lebensthemen zum Evangelium in Beziehung setzen. Wir wollen ihre Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste verstehen. Wir wollen ihnen emotionale Nähe schenken und sie wirklich ernst nehmen.
Die missionarische Gemeindearbeit hat einen offenen Horizont, sie ist Teilgabe und Teilhabe für Menschen, die von der Kirche aus eigener Erfahrung nur noch theologische Floskeln und Langeweile erwarten. Überraschen wir diese Generation, die bald die Führungsaufgaben in der Gesellschaft übernehmen wird, mit einem menschlichen Antlitz der göttlichen Gnade! Nehmen wir ihre kulturellen Stärken in unser Konzept auf, statt es zu verachten oder zu banalisieren. Im Ernstnehmen des Anderen entscheidet sich, ob das Evangelium seine Kraft entfalten kann.
Ich muss es so deutlich sagen, der Zustand der gegenwärtigen Kirchen steht dem Evangelium total im Weg. Egal welche theologischen Positionen vertreten werden, typisch ist das sture Festhalten an veralteten Formen! Statt zu widersprechen, das wäre jetzt die normale Reaktion, sollten Sie lieber eine ehrliche Analyse Ihrer Gemeindesituation durchführen. Dann werden Sie sehen, ob Ihre Gemeinde schon auf dem Weg ist oder langsam aber sicher stirbt.
Es geht mir hier nicht um Rechthaberei. Das hilft nicht weiter. Es geht einfach um Ehrlichkeit und Verantwortung für die uns anvertrauten Menschen. Jeder macht seine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen. Aber wir wurden alle nicht auf die Situation vorbereitet, die sich im Nachkriegsdeutschland entwickelte. Der Traditionsabbruch in unserer Gesellschaft hat inzwischen eine Dynamik erreicht, die sich früher niemand vorstellen konnte. Alte Antworten zählen nicht mehr, nur weil sie mal von bedeutenden Menschen gegeben wurden. Wir müssen uns als Kirche entscheiden, wie es weitergehen soll. Wer sich weiter durchwursteln will, dem ist nicht zu helfen, wer unzufrieden mit seiner Gemeindesituation ist, der ist auf dem besten Wege der Veränderung.
Bei der Analyse der Kultur der 20-40jährigen ist Ihnen am besten diese Zielgruppe behilflich. Sie kennen durch Ihre  Gemeindepraxis viele aus dieser Altersgruppe, nutzen Sie die Chance von Begegnungen, um direkt zu fragen. Machen Sie einen Fragebogen, um die Ergebnisse auf eine breitere Basis zu stellen. Diese Aktion könnte auch die erste Aufgabe für das Gottesdienst-Team sein.
Es geht bei dem gottesdienstzentrierten Gemeindeaufbaukonzept nicht darum, es jedem recht zu machen und einen Mix aus Alt und Neu zu kreieren. Es geht darum, ein zukunftsfähiges Konzept für Ihre Gemeinde zu entwickeln, das kulturrelevant und flexibel ist. Zu viele Kompromisse mit dem „Mittelaltertrend“ dürfen es nicht sein, sonst werden Sie scheitern. Der neue Gottesdienst muss erkennbar anders sein, sprachlich, musikalisch, organisatorisch, personell.

5. Schritt
Gründen Sie eine Band

In meiner Pfarramtszeit (1983-1993) habe ich im ersten Kursjahr der Konfirmandenarbeit mehrere Monate fast ausschließlich mit den Jugendlichen neue Lieder eingeübt und dann im Gottesdienst an die Gemeinde weitervermittelt. Sie haben auch noch Gebete und Lesungen übernommen. Aus dieser Aufbauarbeit entstand später unsere Kirchenband, die auch heute wieder bei unseren Kreativ-Gottesdiensten spielt (mit einigen anderen Leuten). Mit der Band und dem Organisten brachten wir der Gemeinde viele neue Lieder bei. Die Auswahl überließ ich den jungen Leuten, die waren einfach Klasse im Entdecken schöner Songs. Neben der neu gestalteten Liturgie sangen wir bald nur noch neue Lieder in jedem Gottesdienst. Es kamen auch Leute aus anderen Gemeinden zum Gottesdienst und nahmen unsere Ideen auf. Ohne Band wäre das alles nicht möglich gewesen.
Für die Band braucht man am Anfang nicht viel, einen Keyboarder, einen Gitarristen und einen Schlagzeuger, der wenigstens den Cayón beherrscht. Ein Sänger, eine Sängerin für Soloteile und zur Führung eines Chors ist von Vorteil. Aber es kann auch ein kleiner Chor alleine sein, der diesen Part übernimmt. Nach meinen Erfahrungen finden Sie das in jeder Gemeinde. Es reicht auch, wenn zunächst der Organist / die Organistin mit dem Keyboard für einen zeitgemäßen Sound sorgt und die neuen Lieder mit der Gemeinde (vorab mit Konfirmanden/Mitarbeitern) einübt.
Bei unseren jetzigen Kreativ-Gottesdiensten lege ich mehr Wert auf einen kleinen Chor, der die Gemeinde ins Singen mitnimmt. Das ist mir noch wichtiger als eine professionelle Band, weil in diesem „Chor“ jeder aus der Gemeinde mitsingen kann, der Freude daran hat. Die Qualitätsverbesserung kommt im Laufe der Zeit. Das Projekt wächst mit der Zustimmung aus der Gemeinde. Leute, die selten Kontakt zur Kirche hatten, lassen sich in diese Gruppe mit hinein nehmen. Wo die Freude des Evangeliums sich entfalten kann, werden Herzen begeistert.

Die Musik ist der entscheidende Impuls für die Veränderung des Gottesdienstes. Sie spricht unsere emotionale Ebene so stark an, das wir auf einen kulturrelevanten „Sound“ und verständliche Texte nicht verzichten können. Kommunikation vollzieht sich elementar auf der Beziehungsebene. Deshalb müssen wir für die Kommunikation des Evangeliums die Faktoren nutzen, die Menschen für die Zusage des Evangeliums öffnen. Die falsche Musik erzeugt in Menschen eine Abwehrhaltung, eine Langeweile und eine Gleichgültigkeit, die jeden Gemeindeaufbau verhindert.

Ein lebendiger Gottesdienst braucht eine Musik, die am Puls der Zeit ist, dazu ist fast alles geeignet, was nicht mehr nach „Mittelalter“ und „Vorgestern“ klingt.
Sprachlich und musikalisch sind die Lieder vergangener Jahrhunderte für einen heute die Menschen ansprechenden Gottesdienst nicht geeignet. Deshalb gilt für mich, so wenig Kompromisse wie möglich, um wirklich einen konsequent neuen Stil zu entwickeln, der die Kirche in den nächsten in den nächsten zwanzig Jahre wieder zurück in die Gesellschaft bringen kann.
Deshalb sage ich auch, jeder Gottesdienst muss „kreativ“ werden, es reicht nicht einmal im Monat einen Sondergottesdienst als Feigenblatt für die Beibehaltung des Bestehenden zu „veranstalten“. „Kreativ“ bedeutet hier, wir müssen uns Mühe geben, den Gottesdienst nach den neuen Kriterien zu gestalten, die ich in meinem Buch „Genau meine Musik“ erarbeitet habe, Teamarbeit, Visualisierung, Partizipation und neue Musik.

Uns stehen heute mit E-Mail und anderen Medien tolle Planungs- und Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung, die unsere „direkte Kommunikation“ im Gottesdienst wertvoll unterstützen. Gerade Jugendliche freuen sich, ihre speziellen Begabungen mit neuen Medien für andere umzusetzen, Videoclips, Interviews etc.

Nochmals zurück zu den musikalischen Möglichkeiten, ich habe Gottesdienste oft auch mit wenigen Instrumenten gestaltet (Querflöte oder Gitarre oder Keyboard), aber die Songs müssen eben stimmen! Ich empfehle Ihnen das Wort im Bild-Liederbuch „Ich freue mich“. Es enthält 150 Songs aus den letzten 50 Jahren, die sich in der Praxis bewährt haben. Damit kann man starten und dann weiter suchen und sicher finden!

Es gibt immer Leute im Umfeld von Bands, die auf beliebte Melodien christliche Texte schreiben. Damit waren auch früher Liederdichter wie Martin Luther erfolgreich! Meist gibt es unter den Musikern auch Talente, die neue Melodien schreiben können. Sie werden merken, wenn es erst einmal los geht, entwickeln sich überraschende Fähigkeiten.

6. Schritt
Fangen Sie einfach an

Wenn Sie Ihr Team aus Kirchenvorstand, Mitarbeitern und Interessierten gebildet haben, treffen Sie sich zum ersten Teamabend und stellen Sie eine Liste der Begabungen auf. Das kann in der gegenseitigen Kennenlernphase geschehen. Dann verteilen Sie die ersten Teamaufgaben und erklären das Konzept für die neuen Gottesdienste. Gibt es vielleicht schon einen Gospelchor oder eine Band in der Gemeinde? Haben Sie Erfahrungen mit Familiengottesdiensten?
Alles, was Sie schon in neue Formen der Gottesdienstgestaltung investiert haben, wird Ihnen eine Hilfe sein, den Weg eines gottesdienstzentrierten Gemeindeaufbaus zu gehen. Sie müssen versuchen, alle vorhandenen Gruppen in Ihr neues Konzept zu integrieren. Ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, alle werden einbezogen in einen dynamischen Prozess der Verantwortung für das Evangelium und der Freude am Evangelium.
Wir möchten Ihnen helfen, das Projekt besser zu starten und haben dafür ein paar praktisch erprobte Gottesdienste auf CDs zusammengestellt. Auf diesen CDs finden Sie einen fertigen Gottesdienst mit allen Texten und Liedvorschlägen. Dazu einige Tipps für die Pressearbeit und Gestaltungsvorschläge für Plakate und Handzettel. Sie können die Dateien direkt benutzen und mit ein paar lokalen Veränderungen einsetzen. Oder Sie nutzen es als Steinbruch und machen Ihr eigenes Konzept. Wir haben die Dateien offen angelegt, Sie müssen die Texte nur einladen und für Ihre Gemeinde umschreiben. Sie können unsere Liedvorschläge übernehmen oder neue Lieder verwenden, die Ihnen in der Gemeinde vertraut sind. Haben Sie keine Angst, sich fremde Texte zu eigen zu machen, wichtig ist zunächst, erfolgreiche Konzepte nachzugestalten. Im Laufe der Zeit findet man zu einem eigenen Stil, der auf das Feedback aus der Gemeinde eingeht.
Wählen Sie eines unserer Themenpakete aus und planen Sie gemeinsam den Gottesdienst. Wir haben herausgefunden, dass bei uns sonntags um 17 Uhr ein idealer Zeitpunkt für den Kreativ-Gottesdienst ist (andere haben gute Erfahrungen mit anderen Terminen gemacht). An diesem Tag ist der Kreativ-Gottesdienst eben der einzige Sonntagsgottesdienst. Der Termin kollidiert am wenigsten mit der Tagesplanung der Menschen, die bisher selten zum Gottesdienst gekommen sind. Außerdem gibt er jungen Familien eine interessante Alternative. Denn in unserem Konzept werden Kinder „integrativ“ behandelt, sie nehmen auf der Empore oder in einem Seitenbereich der Kirche am Gottesdienst teil. Sie erhalten Bilder zum Ausmalen oder anderes Material, das zum Thema passt. So können sie am Gottesdienst bei den Liedern und Anspielen am Gottesdienst teilnehmen. Vor dem Fürbittengebet kommen alle Kinder zum Altar. Ihre Bilder werden vorgestellt und können von den Kindern kommentiert werden. Damit sind die Kinder selbst ein Teil des Gottesdienstes und erleben, dass ihre Ideen und ihre Arbeit geschätzt wird. So schaffen wir auch eine familiäre Atmosphäre. Diese Form der Interaktion führt den Gottesdienst aus seiner verfestigten Struktur und öffnet die Kommunikation.
Nachwort

Wesentlich für den Gottesdienst der Zukunft wird sein, dass er eine Begegnungsebene zwischen Gott und Mensch schafft. Es kann gelingen, wenn wir nicht einfach bestimmte Formeln des Mittelalters weiter pflegen, sondern wenn wir es wagen, das Evangelium wirklich in unsere Zeit zu übersetzen. Die einzelnen Elemente des Gottesdienstes müssen nicht so bleiben, wie sie waren, es werden ohnehin in der weltweiten Christenheit viele verschiedene Formen praktiziert. Aber es gibt Elemente, die den Gottesdienst zu einem christlichen Gottesdienst machen, auf die können wir nicht verzichten. Wie aber im einzelnen ein Gottesdienst abläuft ist eine zeitbedingte Konvention, wir haben große Gestaltungsspielräume. Ich weiß, dass diese Position den Liturgikern unserer Kirchen nicht gefallen wird, sehe aber keinen Zwang zum Festhalten an solchen formellen Konventionen. Die missionarische Vermittlung des Evangeliums in die jeweilige Zeit und Kultur hat absoluten Vorrang. Das Evangelium hat aus sich heraus den Anspruch, sich bei den Menschen als Frohe Botschaft zu manifestieren. Deshalb ist Kirche kein Museum, das aufbewahrt, sondern eine dynamische Kraft, die sich ständig neu mitteilt. Die Bewahrung der Identität sollte also nicht in den vorläufigen Formen und Stilen von Kirchengebäuden oder überlebten liturgischen Formeln gesucht werden. Entscheidend ist, ob die Kirche der Gegenwart in der Lage ist, ihren Missionsauftrag zu erfüllen, Menschen zum Glauben an Jesus Christus zu führen, sie im Glauben zu stärken und sie zur Liebe und zum Frieden stiften zu motivieren.
Gegenwärtig beschäftigen sich die Großkirchen hauptsächlich mit Strukturveränderungen, die durch die andauernden Kirchenaustritte finanziell notwendig erscheinen. Dieser schmerzhafte Anpassungsprozess ist durch viele hausgemachte Probleme nötig geworden. Das Hauptproblem ist das Verharren in den mittelalterlichen Formen von Gottesdienst und Gemeindearbeit. Die Kirchen haben es bisher nicht geschafft im 21. Jahrhundert anzukommen. Für eine Neuausrichtung ist aber eine radikale Umkehr nötig. Dazu fehlt den Großkirchen weitgehend der Mut. In den Freikirchen sind Bemühungen in diese Richtung stärker, aber auch hier gibt es grundsätzlich die gleichen Probleme zu lösen. Dort haben sich teilweise andere Strukturen verfestigt.

Uns bleibt also nur die Hoffnung, dass einzelne Gemeinden den Schritt vollziehen, mutig das „Mittelalter“ der Langeweile (wie es die Konfirmanden nannten) hinter sich zu lassen und dem Evangelium in unserer Zeit eine neue Chance zu geben. Die Spielräume zur Veränderung sind in den Gemeinden groß, nutzen Sie die Möglichkeiten, die Sie haben. Die Ortsgemeinde kann dabei zur TRägerin dieser Revolution werden. Die Ortsgemeinde ist aber der Ort, der von den Mesnchen als „Kirche“ wahrgenommen wird. Das ist die „gute“ Nachricht für Sie, wenn Sie bereit sind, nach vorne zu gehen! Der Gottesdienst kann mit diesem Konzept zum Zentrum der Erneuerung der Kirchen werden. Finanzielle Probleme lösen sich dann oft von selbst...
Wollen Sie es wenigstens nicht einmal versuchen und dem Heiligen Geist vertrauen, dass ER Sie führt?

 

Mit diesem Konzept sind bereits 10 CD BOXEN mit

kompletten Gottesdiensten erschienen: WortimBild.de

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