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Das kreative Produkt

Das Ergebnis des kreativen Prozesses kann anderen vermittelt werden, kann also als Element der Kommunikation betrachtet werden. In unserem Fall ist das „kreative Produkt“ (man verzeihe mir diese Fachterminologie der Kreativitätsforschung im Hinblick auf den Gottesdienst) gerade das Ziel des geplanten Prozesses.

Das Gottesdienst-Team erarbeitet ein kreatives Konzept für den Sonntagsgottesdienst. Es arbeitet selbst mit kreativen Methoden, um dieses Gestaltungsergebnis zu erzielen und es vermittelt mit kreativen Impulsen, indem es im Gottesdienst Möglichkeiten der Partizipation schafft. Das „Produkt”, eine kreative Gottesdienstkonzeption zum Sonntag Okuli, z.B. besteht in der Einleitung eines neuen Kreativitätsprozesses. Hier gilt die gleiche Phasenfolge wie in der Arbeit der Kreativ-Gruppe: Präparation, Inkubation, Illumination, Verifikation. Das „Produkt“ ist also ein neuer (anders strukturierter) Kommunikationsprozess, der wiederum zu kreativen Prozessen im Alltag anleitet, also den vierten Faktor der Kreativität prägt, die Umwelt. Lesen Sie es noch einmal, denn es ist wirklich wesentlich, dass Sie dieses Konzept verstehen.

Das kreative Produkt sollte in der Praxis der Gemeindearbeit nicht unterschätzt werden. So wie sich ein Pfarrer/eine Pfarrerin über eine gelungen formulierte oder vorgetragene Predigt freut, so bezieht auch eine Vorbereitungsgruppe aus der Freude über den gelungenen Abschluss eines Gottesdienstes die Motivation für ihre weitere Arbeit. Frustrationen bleiben nicht erspart, das kann Kreativität nicht leisten. Aber es kommt darauf an, die äußerlichen Bedingungen des Engagements der Mitarbeiter sachlich einzuordnen und nicht übersteigerten geistlich-theologischen Erwartungen nachzuhängen. Das „Produkt“ lässt sich also durchaus positiv verstehen, als gelungenes Ergebnis eines Vorbereitungs- und Gestaltungsprozesses. Dass dieses Produkt von Menschen gemacht wurde, spricht nicht gegen es. Der Gottesdienst ist von seiner Außenseite immer eine Gestaltung des Menschen, eine vor Gott verantwortete und ihm in seine Verantwortung gelegte Gestaltung. Aber der Mensch ist am Werk, um Gottes Evangelium zu vermitteln.  Jede Bibel ist ein „Produkt“, das Ergebnis eines komplizierten drucktechnischen Produktionsprozesses. Die Erfindung des Buchdrucks war eine der wesentlichen Kreativleistungen der Kulturgeschichte. Verlieren wir also die Angst vor einer ungewöhnlichen Begrifflichkeit. Beim Lesen der Bibel vertrauen wir ja auch (trotz der Kenntnis ihrer Produktion) darauf, dass durch dieses „Produkt“ Gott zu uns spricht.



copyright Christian Trebing

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