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Von den Kreativitätstheorien zu kreativen Konzepten in der Praxis

In diesem Buch werde ich mich nicht mit den verschiedenen Herleitungsversuchen der Kreativitätstheoretiker beschäftigen. Die Ansätze sind je nach Fachgebiet und Systeminteresse der Forscher sehr verschieden. Ich möchte mich nicht mit dem weiten Feld der Theoriediskussion beschäftigen, sondern auf allgemein anerkannte Elemente der Kreativitätsforschungen zurückgreifen, die sich im Praxisbezug als relevant herausgestellt haben.
So muss ich wahrscheinlich damit rechnen, dass auch hier folgender Passus sinngemäß gilt, den Siegfried Krause seinem Buch „Darstellendes Spiel“ (S.9) vorausstellt: „Mit Sicherheit wird der Vorwurf der Kritik laut werden, warum eine Diskussion der Frage unterblieben ist, in welchem wissenschaftstheoretischen Zusammenhang die auf das darstellende Spiel bezogenen Forschungsansätze verschiedenster Disziplinen zueinander stehen. Würden die Zielgruppen - gemeint sind die Kinder - ihren Spielbetrieb einstellen, um den Ausgang dieser - Debatte abzuwarten, kämen sie vermutlich erst im Greisenalter in den Genuss, Spielaktionen in Gang zu bringen ...“ Und weiter formuliert er, was wohl auch für alle kreativen Gottesdienstgestalter gilt: „Uneinsichtigerweise spielen die Kinder jedoch unbekümmert um diese Problematik weiter drauflos, ganz kluge Autoren, die soviel über Spiel nachdenken müssen, dass ihnen die Fähigkeit, selbst zu spielen, abhanden gekommen ist, einfach ihrem Schicksal überlassend!“ 

Eine meiner Grunderfahrungen bei der Arbeit mit kreativen Konzepten in der Gottesdienstvorbereitung möchte ich in diesem Zusammenhang deutlich herausstellen: Gruppen, die noch nie (oder selten) z. B. pantomimisch gearbeitet haben, verfallen trotz aller Warnungen sofort in den Fehler, die Aufgabe, ein Stegreifstück zu entwickeln und zu spielen, auf der verbalen Ebene lösen zu wollen. Sie bleiben also auf einer sprachlichen Metaebene und diskutieren, statt nach der „Wahrnehmung“ der Aufgabe (z.B. ein Gleichnis in pantomimische Bewegung umzusetzen) einen Spieleinstieg zu suchen und daraus die Struktur des Spiels „spielend“ zu entwickeln.
So ist auch dieses Konzept nur ein schwacher Versuch, Erfahrungen, die eben nur im kreativen Spiel gemacht und vermittelt werden können, in Zeilen „zu pressen“. Ich möchte Diskussion und Reflexion nicht abwerten, aber die Entfaltung der Kreativität hat eben noch eine andere Dimension. Diese Dimension ganzheitlicher Kommunikation, die kreatives Denken und Handeln umfasst, möchte ich in Bezug auf die Gottesdienstgestaltung deutlich machen.

Die Kreativitätsforschung hat sich weitgehend auf vier Kategorien im Untersuchungsfeld verständigt: Person, Prozess, Produkt und Umwelt. Die Kategorien sind auch für die Entwicklung kreativer Gottesdienstkonzepte zu beachten.

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