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Die Kultur des Festhaltens überwinden

Was wir hinter uns lassen müssen, ist die Kultur des Festhaltens an musealen Mustern. Die meisten traditionellen Kirchen stehen noch immer da, wo sie von Fürstenhäusern hingestellt wurden. Ihr an Repräsentation orientierter Gottesdienststil hat sich seit dieser Zeit wenig verändert. Diese pompösen Stile haben bis heute eine unglaubliche Macht über die Gottesdienststruktur unserer Kirchen. Da nutzen auch Studien der EKD nicht viel. Was dort an Erkenntnissen publiziert wird, findet nur schwer den Weg in die Gemeinden. Es ist letzten Endes dann auch wieder so gesamtkirchlich allgemein formuliert, um keinem weh zu tun. Wenn man die neue Jugendstudie analysiert, findet man dort gehäuft die Worte „sollen“ und „sollten“. Das zeigt die Defizite auf breiter Front. Die Wege zur Veränderung zu beschreiten, fällt dann aber schwer. Kirche müsste sich von ritualisierten Formen der Gottesdienste verabschieden und den Gemeindegliedern das Heft in die Hand geben. Etwa Jugendlichen und Kindern? Höre ich schon den Aufschrei? Wer wird das tun, seine Gemeindegliedern nach den Wünschen für den Gottesdienst fragen? Tatsächlich habe ich im Internet eine Gemeinde in Berlin gefunden. Dort kann man eintragen, bei welchem Gottesdienst-Team man mitarbeiten will und was auf die Tagesordnung des Gottesdienstes kommen soll!
 
Wer die Ergebnisse der neueren Studien über alternative Gottesdienste liest, findet dort großartige Ansätze für eine Gemeindearbeit der Zukunft, für Gottesdienste mit Pepp, wie sie von jungen Leuten eingefordert werden. Aber diese Gottesdienste tragen den Stempel des Einmaligen, des Besonderen, das mit großem Aufwand geplant und durchgeführt wird, aber auf keinen Fall den „normalen“ Sonntagsgottesdienst verändern soll. Das greift zu kurz.

Ich meine, „Kreative (oder alternative) Gottesdienste“ werden bald die Regel sein müssen, sonst können wir den Laden dicht machen. Das ist die Konsequenz einer nüchternen Betrachtung unserer Gottesdienstbesucher. Die städtischen Kulturprotestanten mit ihrem Hang zu konzertantem Barock und die dörflichen Traditionschristen wird es in allzu ferner Zeit nicht mehr geben, rein biologisch gehören sie zu den aussterbenden Arten. Sie verschwinden still und heimlich aus den fest geschraubten Bänken. Die Postmodernen und Kirchendistanzierten aus dem kirchlich so genannten „mittleren Alter“ kommen aber nicht von selbst, wenn sie nicht gerade einer Kasualie folgen. Doch diese besonderen Anlässe treten wg. erhöhtem Austretungsdruck auch immer seltener auf. Wir müssen deshalb 10% der Pfarrstellen in den nächsten zehn Jahren einsparen, sagt unser Landeskirchenamt. Jugendarbeiter werden.... (Entschuldigung, sind bereits abgeschafft)... also die Seniorenarbeit müssen jetzt Ehrenamtliche machen.

Also noch einmal, „Kreative Gottesdienste“ werden entweder die Regel, oder wir treffen uns in Zukunft im Wohnzimmer von Frau Müller. Zukunftsmusik? Ich kenne das bereits durch viele Freunde im Osten Deutschlands.

Der Ernst der Lage wird von den meisten kirchlichen Offiziellen (ich weiß, es gibt inzwischen viele Ausnahmen!) nach wie vor beschönigt. Die kirchlichen Zähltage wurden teilweise schon lange auf traditionellen Feste verlegt. Also, geht doch! Mehr Leute als an einem Bundesligaspieltag! Doch es hilft nichts, die Besucherkurve zeigt deutlich nach unten, die Mitgliederkurve auch. Wer traut sich bei den Verbliebenen gar noch eine Überzeugungskurve zu zeichnen? Wo kann noch mit christlichen Überzeugungen, mit biblischem Wissen, gar mit Glaube an Jesus Christus gerechnet werden?

Doch unter den Pfarrerinnen und Pfarrern und auch in den Kirchenleitungen gibt es Ausnahmen und die Einsicht wächst, dass Kirche sich bewegen muss. Sonst hätten sich nicht 70 Gemeinden der Hannoverschen Landeskirche (immerhin 3 Millionen Mitglieder) für das Projekt „Brannte nicht unser Herz? - Gottesdienste lebendig feiern“ beworben. Am Ende wurden 25 Gemeinden ausgewählt. Sie alle wollten in Ihren Gemeinden Konzepte für lebendige Gottesdienste entwerfen. Fritz Baltruweit (ein alter Bekannter in der christlichen Musikszene) und Stefanie Wöhrle (letztere betreute das Projekt) schreiben in der Einleitung über den Startabend: „Viele feiern schon seit langer Zeit neue Formate, vor allem am Sonntagabend mit populärer Musik, Anspiel und lebensnaher Predigt. Andere wissen nur: Wir wollen etwas ändern an unserem Gottesdienst, damit wieder mehr Menschen am Sonntagmorgen oder auch am Sonntagabend in unsere Kirchen kommen.“ (Jochen Arnold, Fritz Baltruweit, Hans Christian Brandy, Stefanie Wöhrle, Hrsg., „Brannte nicht unser Herz?“, Auf dem Weg zu lebendigen Gottesdiensten, erschienen in der Reihe „Gemeinsam Gottesdienst gestalten“ als Nr. 13, Hannover 2010)

Wer nach der Zukunft der Kirche auf der Basis ihrer jetzigen Praxis fragt, könnte in Depressionen verfallen. Trotz allem gibt es also überall im Lande kleine Aufbrüche und Initiativen, es gibt inzwischen in vielen Landeskirchen sogar eine Vernetzung der Gemeinden, die für Gottesdienst und Gemeindeaufbau offen sind. Amerikanisch inspirierte Kongresse wie Willow Creek haben ihre Spuren hinterlassen und Kirchengemeinden in Bewegung gebracht. Beim letzten Kongress in Karlsruhe waren von knapp 7.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Hälfte aus dem Bereich der Evangelischen Landeskirchen! Das lässt zumindest aufhorchen! Es könnte auch voran gehen, wenn die Widerstände der Traditionalisten nicht zu groß wären. Das sind heute eher nicht die theologisch Konservativen, sondern meist die kirchlich Etablierten, die ihre letzte Zuflucht im Funktionieren von Ritualen gefunden haben: distanziert, kühl, klar, intellektuell, mit so viel Niveau in der Stimme, dass kein Widerspruch aufkommt. Theologisch wertvoll, praxisfern, aber bedeutsam, Kirche mit Anspruch eben. Menschen, die eine Kultur des Festhaltens an den letzten Bastionen einer bürgerlichen Religion pflegen. Jesus, den Historischen zumindest, führen sie seltener im Munde. Zu radikal, zu wenig liturgisch, kein Amtsverständnis, zu große Ziele. Gemäßigte Mitte leben, nicht irgendwo anstoßen, hochwertige Bachkantaten oder schräge Moderne, aber um Gottes Willen nicht dieses flache Zeug aus der Popularmusik. Und bleibt mir weg mit euren Emotionen, ihr seht ja bei den Charismatikern wohin das führt... Aus dieser Szene der kirchlich Etablierten kommen nur Etiketten für die anderen, die alles falsch machen, denen man misstrauen muss, weil sie nicht dem bei uns üblichen Gottesdienstmustern entsprechen. Sie beziehen ihre Argumente aus dem, was falsch gelaufen ist oder nicht unserem deutschen Kulturtraditionen entspringt. Ich lade Sie ein: Kommt raus aus den Ecken des Festhaltens an mittelalterlichen und barocken Traditionen, singt mit dem Psalmisten der Kirche ein „Neues Lied“!

Liebe Leute von der Kirchenbank, unser Denken und Handeln müssen sich ändern, wenn wir Menschen für den Glauben begeistern wollen. Wollen wir das überhaupt noch in diesen Kirchen Europas? Oder möchten wir in Todessehnsucht mit dem Dampfer Titanic untergehen? - Ich gehöre zu denen, die den Kahn wieder flott machen wollen. Dafür habe ich vierzig Jahre meines Berufslebens gearbeitet und Menschen ermutigt, in ihren Kirchengemeinden nach vorne zu sehen. Es gibt Hoffnung für die Sache des Evangeliums, ob es eine Hoffnung für alle heute noch bestehenden Kirchen gibt, weiß ich nicht. Landesbischof Friedrich Weber (Braunschweig) plädierte auf einer Synode jetzt dafür, dass sich die Kirche offensiv auf Mission einstellen müsse. Es erstaune ihn, dass manche Gemeinden immer noch Mühe damit hätten, Mitglieder gewinnen zu wollen. Die Kirche könne nicht mehr erwarten, dass die Menschen von sich aus zu ihr kämen. Das ist doch mal eine Ansage, Herr Bischof!

Als ich vor über fünfundzwanzig Jahren in meiner Gemeindearbeit den Weg der Veränderung begann, sagte ich dem Kirchenvorstand: Der Gottesdienst soll die Freude Gottes in unser Leben bringen, er muss anders werden, nämlich so, dass sich die Menschen mit uns freuen können. Die Kirche ist kein Museum in dem man ein paar alte Stücke ausstellt, sie pflegt und bewundert, der Gottesdienst muss Relevanz für unser Leben haben. Sonst können wir niemanden (erinnern wir uns an den zitierten Pfarrer) mit gutem Gewissen einladen.

Wir können ein Konzert mit alter Musik einfach genießen, wir werden in dieser Musik auch Elemente finden, die uns heute noch ansprechen, aber es sind Relikte einer vergangenen Kultur. Sie haben nichts Dynamisches, sie werden statisch reproduziert, allenfalls interpretiert, aber bitteschön werkgetreu! Die Kirchenmusik muss sich endlich nicht nur hier und da (Es tut sich was!), sondern auf breiter Front aus dem Elfenbeinturm begeben und wieder lernen, ihre dem Gottesdienst und der Gemeinde „dienende“ Position einnehmen. Noch 2001 propagiert Prof. Bernhard Leube von der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen das „Ende der Kundenorientierung“: „Viel Gottesdienstarbeit in der evangelischen Kirche läuft derzeit stark in Richtung Kundenorientierung. Wir müssen die Leute dort abholen, wo sie sind, heißt es, müssen auf ihre Bedürfnisse eingehen, Gottesdienst muss Spaß machen, und vor allem muss endlich die Musik umfassend den Geschmack der Leute berücksichtigen. Wenn nicht einmal mehr 10% Klassik auf dem CD-Markt umgesetzt wird, dann muss sich die Kirchenmusik das gesagt sein lassen und sich in ihrer Musikauswahl im Gottesdienst daran orientieren. Bach ist schön und gut, aber 10% sind nun mal 10%.“ (Internet: kirchenmusikhochschule.de)
Was Herr Leube hier karikierend darstellt, um es zu erledigen, hat sich inzwischen weiter verschärft, nur noch 2% der Bevölkerung stehen auf Orgelmusik! Doch wer traut sich die Konsequenzen zu ziehen, wir investieren weiter in den Erhalt wurmstichiger Barockorgeln, obwohl es hinter der Fassade auch eine elektronische Variante für den Bruchteil der ach so knappen Kirchensteuermittel tun würde. Welchem Musikgenuss frönen wir da? Den von 2% der Kirchenbesucher, die den Unterschied zwischen diesen Varianten hören können? Ich will mich nicht dem Erhalt historisch einmaliger Orgeln widersetzen, das geht jedoch nur noch durch private Initativen und der Förderung des Denkmalschutzes. Aber es muss nicht in jedem Fall sein, wir können es uns schlicht und ergreifend nicht mehr leisten, wenn die Austrittswelle weiterschwappt.

Die Orgelkultur hatte ihre Zeit, sie wird aussterben und allenfalls noch in Domen überleben. Eben dort, wo repräsentative, aber keine lebendigen und lebensdienlichen Gottesdienste an der Tagesordnung waren und sind. In England werden die Orgeln in Kirchen, die begriffen haben, wohin die Reise geht, schon abgeschraubt und durch Instrumente für Pop- und Rockmusik ersetzt. Da werden wir in Deutschland noch eine Weile für brauchen. Aber es wird kommen, weil die Orgelkultur einem völlig anderen kulturellen und politischen Lebensgefühl entspringt. Das pompöse Auftreten der Orgel gehört in die Zeit der Fürsten mit ihren Aufzügen. Für die Kirche wird gelten, ein einzelnes Instrument wird nie mehr bei uns diese Macht entfalten können, wie es die Orgel tat.
Wenn eine Band unserer Zeit einen alten Song covert, dann will sie ihn nicht imitieren, sondern ihn in der eigenen „Spielart“ neu zum Leben erwecken. Wir malen heute nicht mehr wie in der Renaissance oder im 19. Jahrhundert, wir haben unsere eigene Zeitgenössische Kunst, sie stellt auf ihre Art die Sehnsüchte, Hoffnungen und Probleme des Menschen dar. Unser kirchliches Leben kann doch nicht für immer auf bestimmte Zeitschienen fixiert werden, die dann noch religiös überhöht als Nonplusultra gepflegt werden.

Das Festhalten an den zeitbedingten kulturellen Formen gibt dem Evangelium keine Chance in die Lebenswelt einer neuen Generation einzugehen. Kirche hat aber die Aufgabe des Übersetzens. Gott gibt ihr die kreative Kraft, dem Menschen jeder Zeit immer wieder neu nahe zu sein. Wenn wir überkommene Formen der Liturgie oder der Gemeindearbeit nur Festhalten, weil es bei uns (in unserer Gemeinde) immer so war, sind wir auf dem Holzweg. Dieser Weg führt zur Beerdigung der Kirche, weil sie niemand mehr braucht.

Der wichtigste Schritt der Veränderung von Kirche ist der Abschied von einer Kultur des Festhaltens. Wir haben die Befürchtung, mit den alten Formen ginge auch der Inhalt den Bach runter! Dieses Denken ist aus der Angst vor neuen Erfahrungen geboren. Der biblische Inhalt des Evangeliums klebt aber nicht an einer zeitbedingten Lebensform, sondern kann in jede Zeit neu „übersetzt“ und damit kommuniziert werden. Form und Inhalt finden dann in neuer Ausgestaltung wieder zusammen. Die Bibel wurde in über 6000 Sprachen und Dialekte übersetzt und damit in völlig andere Kulturen übertragen, dagegen sind unsere Milieus und Zielgruppen in Deutschland ein Klacks. Sie werden zudem völlig überbewertet!

Jede Zeit findet ihre passenden Instrumente, ihre liturgischen Stücke, ihre Gesten etc. Wenn wir heute eine neue Kirche bauen, dann wird sie anders aussehen, als die mittelalterlichen Prachtbauten. Das haben unsere Kirchbauarchitekten ja landauf landab bewiesen. Im Kirchenraum werden keine Bänke mehr angeschraubt, er wird mit Stühlen flexibel gestaltet! So können wir uns leichter auf neue Formen des Gottesdienstes und für andere gemeindliche Veranstaltungen einstellen.
Vor allem müssen wir wie gesagt endlich über positive Gefühle reden, über ansprechende Musik vor allem, denn im Gottesdienst muss es den Aha-Effekt geben: „Genau meine Musik!“ (Danke FFH für diese Idee.) Sonst schalten die „Hörer“ ab, denn zu sehen gibt es ja auch fast nichts Neues! Über das Visuelle müssen wir auch ein paar Takte verlieren, über diesen protestantischen Verlust des Sinnlichen. Und eben über die angeschraubten Bänke, die jegliche Beteiligungsformen verhindern. In meiner kleinen Gemeinde habe ich in den Ferienzeiten oft Gottesdienst im Stuhlkreis um den Altar gefeiert. Das kann man nicht cool abhandeln, das wird persönlich!
Oh, ja, Spontaneität und kreatives Mitmachen haben wir uns lange verkniffen. Wir zahlen für unseren Alleinunterhalter, lass die Frau nur machen! - Doch hier setze ich in diesem Buch an, auf der Beziehungsebene, dort findet nämlich die stärkste Form der Kommunikation statt. Sie kennen das vielleicht aus ihrem eigenen Leben, wenn Sie verheiratet sind oder sogar Kinder haben. Die Fachleute sagen, nur wenn die Beziehungsebene stimmt, kann Kommunikation wirklich gelingen. Unser Normalfall ist, dass wir alle aneinander vorbei reden und Kommunikation misslingt. Damit sollten wir uns in der Kirche aber keinesfalls abfinden. Unsere Botschaft zielt auf gelingende Kommunikation, Gottes Liebe will bei uns ankommen, verstanden, gefühlt und gelebt werden.

Ob aus theologisch-biblischer Einsicht, aus pragmatischen Erwägungen oder irgendwelchen anderen Gründen, wir sollten ein Herz für die Kirche der Zukunft haben, wenn wir zum Kirchenvolk gehören, zur „ekklesia“, den Herausgerufenen, wie uns Paulus nennt. Aber schon heute, bevor gar nichts mehr geht! Wir sollten es nicht mit einem „Sowohl-als-auch“ probieren, sondern eine frische Klangfarbe mit neuer Zuversicht und viel Gottvertrauen riskieren. Das Festhalten am Evangelium bedingt geradezu seine „Übersetzung“ in neue Kulturen und Sprachen, auch in Subkulturen und Jugendsprachen, besonders aber in den Mainstream unserer postmodernen Kultur, die nicht rationalistisch, sondern religiös geprägt ist. In allen Menschen steckt diese tiefe Sehnsucht nach einer Bindung an Gott. Wenn wir Theo-Logen sie aus den Augen verlieren, suchen die Menschen an anderen Stellen und sei es in Absurdistan.
Jedes Festhalten an überholten Formen führt dazu, dass die Inhalte nicht mehr kommuniziert werden. Die Botschaft der Kirche wird dann weder kapiert noch gelebt. Man schiebt das dann auf die „böse Welt“ und richtet sich darauf ein, die „kleine Herde“ zu sein. In der weltweiten Christenheit können wir sehen, dass es auch anders geht.
Haben Sie sich schon einmal mit den wachsenden Gemeinden auf anderen Erdteilen beschäftigt? Sie sind durch zwei Elemente gekennzeichnet, gelebten Glauben und lebendige Gottesdienste, die die Menschen ihrer Generation ernst nehmen. Dieser Weg gelingt aber nur, wenn die Führungspersonen sich für die Mitarbeit der Gemeinde öffnen und nicht wie eine Clique die Gemeinde steuern, um ihre Macht zu behalten. Kirche ist nicht der Veranstalter für allerei Programme, sondern sie muss Mitarbeiter aktivieren und das bedeutet immer auch, Macht abgeben an Menschen, denen das Herz für das Evangelium brennt. Abgeben, nicht ausbremsen! Wenn ich bedenke, wieviel Potential in den Gemeinden steckt, das nicht gehoben wird! Dabei sind es oft nicht einmal die Pfarrer- und Pfarrerinnen, die sich hier hervortun, sondern Kirchenvorstände, die sich auf eine kleinkarierte Weise gegen die eigene Gemeinde behaupten wollen und ohne eine konkrete Untersuchung vor Ort wissen wollen, was Menschen heute von Kirche erwarten. Ich könnte da von vielen eigenen Erfahrungen berichten, die ich aus der Nähe erlebt habe. Ein trauriges Kapitel für unsere Kirchen. Preisen Sie sich glücklich, wenn Ihr Vorstand innovativ ist!

Die Überwindung der kirchlichen Verkrustungen ist nötig, wenn eine Gemeinde zukunftsorientiert arbeiten will. Sonst hat das Evangelium keine Chance, die Herzen zu berühren. Gottesdienst und Gemeindearbeit werden durch das Miteinander erlebnisreicher und menschlicher, von der Wärme des Evangeliums gekennzeichnet. Wir brauchen eine gottesdienstliche Breitenkultur mit einer integrativen Wirkung von den Jugendlichen bis zu den Senioren. Was Menschen heute suchen, das bestätigen aktuelle Umfragen, ist eine Interaktivität mit Gleichgesinnten, gerade diese soziale Komponente zieht Menschen dorthin, wo sie das „live“ finden, in der Popularkultur. Das kann nicht ohne Konsequenz für Kirche bleiben.

 

copyright Christian Trebing

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