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"music is the key"

Gottesdienst bringt Freude ins Leben - wo das nicht gelingt, sieht es für die Kirche schlecht aus

Es war Ende der 80er Jahre. Ich hatte damals eine halbe Pfarrstelle in einem südhessischen Dorf (neben der Leitung von Wort im Bild). Mein Freund Bodo Leinberger wollte Werbung für Gottesdienste mit einer zusammengewürfelten Gospelgruppe aus England machen. Ich fragte ihn: „Wie heißen die?“
„Die haben keinen Namen, die kommen aus verschiedenen Kirchengemeinden und singen da im Chor.“
„Farbige?“
„Ja, ihre Eltern sind aus Westindien eingewandert.“
„Welcher Musikstil?“
„So afro-karibisch...“
„Wir sagen GOSPEL, darunter können sich die Leute was vorstellen.“
„In welchen Städten sind die zu Hause?“
„Die meisten sind aus Birmingham.“
„Ok“, sage ich, „wir nennen sie ‘Birmingham Gospel Singer’!“
So heißen sie noch heute, wenn mal wieder welche von ihnen im Land auf Tournee sind.

Bodo Leinberger war damals im „Amt für missionarische Dienste“ in Darmstadt, alle Konzerte und Gottesdienste fanden deshalb in der Landeskirche von Hessen-Nassau statt. Ich sagte: „Ich mache Dir ein Plakat und Handzettel, wenn Du dafür auch in meiner Kirchengemeinde mit der Gruppe vorbeikommst.“

Ich hatte noch ein schönes Foto einer Gospelsängerin vom Greenbelt-Festival (dem damals größten christlichen Musik- und Kulturfestival Europas mit jährlich fast 30.000 Teilnehmern). Mit diesem Foto führten wir die „Birmingham Gospel Singer“ in die Gemeinden ein. Damals in den südhessischen Großstädten, später in den Kleinstädten im Main-Kinzig-Gebiet merkte ich, Gospels vereinen alle Generationen!
Die Birmingham Gospel Singer vereinten mit ihrer fröhlichen und auch nachdenklichen Musik alle, von den Kindern bis zu den Senioren. Der Gospel, besonders der hier vorgetragene „Modern Gospel“ hat mit seiner Mischung aus biblischen Erzählliedern und starker Lebensnähe genau den Nerv der Menschen getroffen. Live ist life - und die Faszination bleibt bis heute.
Meine Konfirmandinnen und Konfirmanden sangen am liebsten Gospels und Spirituals („Aber schnell, Herr Trebing!“) und sie sangen sie dann auch im Gottesdienst mit der Gemeinde. Sie sangen gern und viel, wenn ich es im ersten Vierteljahr des Unterrichts geschafft hatte, ihnen die Angst vor der eigenen Stimme zu nehmen.

An einem Sonntag im Februar 2010 erlebte ich wieder einmal die „Rainbow-Gospel-Sänger“ aus Altenstadt/Hessen bei einem Benefiz-Konzert für die Opfer des Erdbebens von Haiti in der Marienkirche in Büdingen. Volle Kirche am Samstagabend, der Chor mit Keyboard, Drums und Gitarre steht im Altarraum vor der Gemeinde und gibt alles. Die Gemeinde swingt mit und beim Lied von den „Bones“ kommen die „alten Knochen“ in Bewegung! Und doch singen hier keine Profis, sondern ein ganz und gar ungewöhnlicher Kirchenchor einer hessischen Landgemeinde. Ein Kirchenchor, von begeisterten Zehn- bis Siebzigjährigen, der sich afrikanischen und amerikanischen Gospels und modernen Popsongs verschrieben hat. Mit Humor werden kurze Beschreibungen der Textinhalte rübergebracht, so kommt auch noch das Evangelium ganz nebenbei zur Sprache.
Wenn man diese ansteckende Begeisterung erlebt hat, weiß man auch, warum Kirchenchöre immer „von vorne“ singen sollten und nicht von der Empore!
Liebe Leute, es geht in der Kirche nicht um Kunstgenuss, es geht um große Gefühle, Emotionen, gezahlt in der kleinen Münze alltäglicher Menschen. Wir wollen Menschen mit der klaren und einfachen Botschaft von Gottes liebender Zuwendung bekannt machen, da sind ein steiler theologischer Vortrag und bürgerlicher Musikgenuss fehl am Platz.

Es geht, damit wir uns nicht falsch verstehen, auch um Qualität, die muss stimmen, aber mehr noch die Qualität der „evangelischen Kommunikation“. Das meine ich nicht im Sinne des Bekenntnisses, sondern des biblischen Weitererzählens der Botschaft Jesu. Von den Rainbow-Gospel-Sängern wurde (wie von vielen Gospel- und Jugendchören und Bands im Lande) die Qualität von Gottes Güte und Barmherzigkeit leibhaftig erfahren, sie wurde ganz einfach mit musikalischen Mitteln und viel Nähe „rüber“ gebracht. Da werden Herzen berührt und die Hände beginnen mitzuklatschen, da lehnt man/ frau sich nicht cool zurück, um dem Vortrag zu lauschen, sondern macht eine „sinnliche“ Erfahrung: Schmecket und sehet, höret und tanzet....

Ich vernehme schon die klassischen Kritiker evangelischer Abschätzung und ängstlicher Rechthaberei: „Das sind ja nur Emotionen!“
Klar, das sind Emotionen, und das ist gut so - Liebe braucht Emotionen oder lieben Sie Ihren Mann, Ihre Frau, Ihre Kinder emotionslos? Welche Armut leisten wir uns doch in einem Gottesdienst ohne Emotionen! Emotion bedeutet ja nicht, dass alle ausflippen müssen und in Trance um den Altar tanzen wie ums Goldene Kalb. Davon ist keine Rede, aber ich finde es nicht richtig, jede emotionale Regung in der Kirche aus Angst vor „korinthischen Zuständen“ sofort niederzutreten. Wir brauchen endlich Emotion im Gottesdienst! Es gibt keinen „Kreativen Gottesdienst“ ohne Emotion, ohne das schlichte Gefühl, hier angekommen zu sein, ohne die Begeisterung am und im Singen. Komm, Heiliger Geist, setze uns die Freude über Gottes Barmherzigkeit auf die Tagesordnung und lass sie uns zeigen...
Es war schön, dass ich in diesem Gottesdienst war, dass ich die leuchtenden Gesichter der Sängerinnen und Sänger gesehen habe, die ihren Glauben an Jesus Christus so wundervoll zum Ausdruck brachten. Ich hätte echt was verpasst zu Hause vor der Klotze, es war ein Liveerlebnis der Kraft des Evangeliums, ich denke gern an diese Stunde zurück. Ähnlich geht es wahrscheinlich den Besuchern der „Gospelkirche“ Maxdorf, einem kleinen Ort in der Nähe Ludwigshafens, die mit zwei Chören „Modern Gospel“ singt, hat es in zehn Jahren von 30 auf 150 Gottesdienstteilnehmer geschafft! (Siehe Anhang!)
Es gibt so viel indirekte Kommunikation (über Medien), da ist es einfach wunderbar, live dabei zu sein, den Glauben mit anderen Menschen zu feiern, Freude zu empfinden und wieder Hoffnung zu schöpfen. Was auch immer uns bedrückt hat, nach einem solchen Gottesdiensterlebnis wird es für uns leichter zu tragen. Das kann keine noch so schöne Ansprache allein bewirken, es braucht die Erfahrung von Leib und Seele. Die Mehrdimensionalität ist das Geheimnis einer gelingenden Kommunikation, Wort und Zeichen gehören zusammen. Das war bei Jesus nicht anders. Von ihm können wir lernen.

Vor vielen Jahren habe ich für die damals so genannten „Neuen Gottesdienste“ bei Wort im Bild Plakate und Handzettel mit dem Slogan „Gottesdienst bringt Freude ins Leben“ entwickelt. Das Bildmotiv war ein Cartoon mit einer „fröhlichen Kirche“ voller Menschen, die alle irgendwie mitmachten. Irgendwie ist das richtige Wort, denn es zeigt sich (welch ein Graus für die Ordnungshüter des Normalogottesdienstes) eine wilde Bewegung von der Apsis bis in den Turm. Aber alle hatten etwas zu tun, Gesangbücher schleppen, diskutieren, Glocken läuten, Instrumente spielen - der Traum oder Albtraum eines Kirchenvorstandes. Vielleicht auch nur der Traum meines dänischen Kollegen, der mir bei einem Besuch damals diesen Traum anvertraute. Er war Pfarrer und Zeichner und ich verdanke ihm viele Gleichnisgeschichten, die bis heute hunderttausende deutscher Kinder schon ausgemalt haben...

Dieser lustige Cartoon wurde also zur Einladung zu „neuen“ Gottesdiensten benutzt. Eines Tages hatte ich einen Kollegen am Telefon, der für seine Gottesdienstwerbung etwas suchte. Ich empfahl ihm diese Poster und Flyer. Er bestellte diverse Sachen und ich glaubte, ihm weiter geholfen zu haben.
Eine halbe Stunde später rief er wieder an und ließ sich zu mir durchstellen. Er sagte mir, er müsse die Sachen wieder abbestellen. Ich verwundert, ja, warum?
Er trocken, das sei in seiner Gemeinde ja gar nicht so, der Gottesdienst bringe keine Freude ins Leben, die Plakate würden dann etwas Falsches versprechen..
Das ist immer noch typisch für unsere kirchliche Situation, wir sehen die Defizite, aber kneifen dann lieber, als uns zu verändern.

Liebe Leute, der Gottesdienst der Gemeinde muss Freude ins Leben bringen, sonst hat er keine Berechtigung! Wenn das nicht gelingt, gab es kein Evangelium zu hören und zu spüren. Der Gottesdienst ist keine Privatveranstaltung, sondern immer öffentlich und offen für alle Menschen. Es geht um keine vordergründige Lustigkeit, sondern um die elementare Erfahrung christlicher Freude durch die Zusage vergebender und befreiender Liebe Gottes.
Die ersten christlichen Gottesdienste fanden frühmorgens als Auferstehungsgottesdienste statt. Auferstehungsfreude war der Anlass, sich wieder zu treffen, zu erzählen, zu beten und zu singen.
Darum geht es auch heute, das Evangelium ist als „Frohe Botschaft“ zu vermitteln: „Freuet euch in dem Herrn zu jeder Zeit!“, schreibt Paulus ausgerechnet aus dem Gefängnis an die Gemeinde von Philippi. Sehr viel Emotion für den ansonsten im Urteil anderer Apostel eher trockenen Theologen aus Tarsus am Mittelmeer.

Welche Klangfarbe hat der Gottesdienst? Freude, Freude und abermals Freude! Der Apostel der Heiden kann nicht irren, wenn es um die Verkündigung unter den „Heiden“ geht. Wir nennen sie heute vornehm „Kirchendistanzierte“. Schönes Kunstwort aus der soziologischen Schmiede. Klingt so wie „Kunden“, wenn es im Jobcenter um Arbeitslose geht, pardon, sind heute Arbeitssuchende oder doch Erwerbslose? Wer kümmert sich heute kirchlich um die? - Dafür haben wir die „Tafeln“ erfunden, eine weitgehend sprachlose Diakonie, die sich nur um die Verteilung der Lebensmittel kümmert. Was wäre, wenn diese gutwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch mit einer geistlichen Kompetenz ausgestattet würden? Aber das ist ein anderes Thema... oder doch nicht?
Eine Welt voller Defizite und voller „Zu-kurz-Gekommener“ umgibt uns oder sind wir nicht alle ein Teil davon? Zu viel traditionelle kirchliche Überzeugung, zu wenig Liebe für die Suchenden?
Sei den Kirchendistanzierten ein „In-die-Nähe-Bringer“. Dann folgst Du am besten dem Evangelium. Komm in ihre Nähe in Farben und Formen, in Melodie und Rhythmus, in Gesten und Signalen - da geht es lang, wenn Du zum Himmel willst. „Da berühren sich Himmel und Erde“, heißt es in einem modernen Kirchensong, den ich in meinen Gottesdiensten gern mit der Gemeinde singe. Dort am Horizont können wir den Punkt schon sehen, wo wir uns treffen wollen.

Jenseits aller Methoden und großen Konzepte ist wichtig, dass wir diesen Punkt beim Gottesdienst anvisieren, wo sich Himmel und Erde berühren und der Heilige Geist erfolgreich arbeiten kann. Aber unser Job als kirchlich Verantwortliche ist es, den Heiligen Geist nicht nur in liturgischen Formeln einzuladen, sondern ihm einen Raum zu geben, wo er wirken kann. Gefühlvoll, aber klar und schön, in den Herzen derer, die eigentlich nur zur Taufe ihrer Nichte, zur Konfirmation des Neffen oder zur Kommunion des Enkels gekommen waren. Noch nie erlebt hatten, dass Kirche sich verändern kann und dabei völlig die Zeit vergaßen. Dann bringt Gottesdienst wieder Freude ins Leben, garantiert!
Die Volkskirche hat noch viele Chancen, aber nicht mehr lange, deshalb wollen wir die Zeit gut nutzen und das Evangelium unter die Menschen bringen. Das ist unsere Aufgabe, nicht die Vermehrung unserer Mitglieder, denn eigentlich ist es doch egal, in welcher Kirchengemeinde sie eine Heimat finden, Hauptsache sie finden zu einem lebendigen Glauben. Darum geht es in diesem Buch, lebendige Gottesdienste sollen zu einem lebendigen, einem mit Herz und Mund gelebten Glauben führen, zu einem selbstverantwortlichen Glauben, der aktiv diese Schöpfung Gottes gestaltet und nicht vor ihr flieht. Es wäre schön, wenn Sie ein Teil dieser Bewegung in eine kulturrelevante und liebevolle Kirche würden, die sich in eine Vielfalt der Formen entfaltet.

Was die neue „Jugendstudie“ der Evangelischen Kirche ausdrückt, gilt insgesamt für die gesamte jüngere Generation in den Kirchen: „Die Verschränkung der Botschaft des Evangeliums mit den Lebenslagen Jugendlicher ist für das Verhältnis von Kirche und Jugend von zentraler Bedeutung, eben weil sie dem Evangelium selbst in seiner Menschenfreundlichkeit entspricht. Dabei geht es auch praktisch um die Frage, wie die Botschaft des Evangeliums an der Wirklichkeit auszulegen ist und wie die Kirche in der Begegnung mit Jugendlichen die Gestalt findet, die diesem Anliegen dient.“ Und weiter: „Vor dem Hintergrund konkretisieren sich Perspektiven für eine ‘jugendsensible Kirche’ mit vielfältigen Handlungsperspektiven. Wenn Jugendliche keinen Kontakt zur christlichen Tradition bekommen, wird es zumindest unwahrscheinlich, dass sie den christlichen Glauben als wertvoll für ihr Leben entdecken. Das Interesse, das kirchliche Angebot attraktiv und plausibel sichtbar zu machen, muss die Kirche auch im Hinblick  auf die Sorge um ihren Erhalt haben.“ (Kirche und Jugend. Lebenslagen, Begegnungsfelder, Perspektiven, Eine Handreichung des Rates der EKD, 2010, Gütersloher, S. 19)
Trefflich analysiert, wenigstens der Selbsterhaltungstrieb der Volkskirche sollte zum Umdenken nötigen, das sagt die Jugendstudie dann noch pointierter: „Wenn es der Kirche nicht gelingt, immer wieder der nachwachsenden Generation Zugänge zur Botschaft des Evangeliums zu eröffnen, wird sie auf Dauer in ihrer eigenen Existenz gefährdet.“ (Ebd.)

„music is the key“ - die Musik bestimmt die Atmosphäre, darüber sind sich alle Gemeinden, die alternative, kreative oder neue Gottesdienste gestalten, ziemlich einig. Mir geht es noch um mehr, die Musik ist ein Teil der Vermittlung des Evangeliums, wenn Sie für die Generation der 20-40-jährigen nicht passt, wird sich der Heilige Geist ganz schön anstrengen müssen, um diese Zielgruppe zu erreichen. Nichts ist unmöglich, aber wir sollten es ihm nicht zu schwer machen.
Wir wollen außerdem nicht die Bestätigung erhalten, dass Kirche eh nur was für konservative Randgruppen und die ewig Gestrigen ist, sondern mitten in unsere Gesellschaft gehört. Die christliche Musikszene insgesamt (mit Textern, Komponisten, Musikern und den vielen Sängerinnen und Sängern) war es, die in den letzten vierzig Jahren die alternativen Gottesdienste in den Kirchen voran gebracht hat. Sie haben schon viel verändert, aber es reicht einfach noch nicht, um die Kirche zukunftsfähig zu machen.

Die Liturgische Konferenz der EKD hat eine Studie über das Singen im Gottesdienst (Echo in den evangelischen Pressediensten im Anhang) in Auftrag gegeben. Aus ihr geht hervor, dass 75% der 4.644 Befragten lieber Choräle oder traditionelle geistliche Lieder singen als Anbetungssongs. Mit dem Zusammenpacken dieser zwei Liedformen wollte man wohl den Choral retten! Es gibt mehr moderne christliche Lieder als Anbetungssongs! Wer eine Monokultur von Lobpreisliedern im Gottesdienst pflegt, ist auf dem gleichen Weg wie die traditionelle Kirchenmusik, die sich auf die Lieder der letzten 500 Jahre konzentriert hat. Ohne die Verdienste von Paul Gerhardt zu schmälern, in unserer Generation brauchen wir eigene „Paul-Gerhardts“! Wohl in keiner Zeit der Kirchengeschichte Deutschlands wurden mehr christliche Lieder komponiert und getextet, als in den letzten 50 Jahren. Aber die meisten dieser Lieder gingen unter, bevor sie auch nur bekannt geworden sind, weil sie in kein offizielles Gesangbuch Eingang gefunden haben.

Dann muss man bei der EKD-Untersuchung mit gutem Recht fragen, inwieweit die Befragten über die Fragen mangels eigener Kenntnis überhaupt urteilen konnten. Denn wer die Alternativen nicht kennt, kann dazu eigentlich keine Aussage machen, wem falsche Alternativen vorgelegt werden, der verstrickt sich in der Fragestellung. So fällt in der medialen Auswertung der Studie denn auch der Satz: „Allerdings ist die Studie nicht repräsentativ“. Doch erstaunlicherweise gibt Heiner Gembris, der Musikwissenschaftler von der Uni Paderborn, der die Studie begleitete, die Anregung: Wenn man gerade junge Menschen als Sänger in der Kirche erhalten wolle, sollte die neue geistliche Musik stärker bei der Ausbildung von Kirchenmusikern berücksichtigt werden. Denn junge Menschen würden mehr swingende, poppige oder rockige Töne als getragene Choräle mögen. „Diese unterschiedliche Präferenz sollte Konsequenzen für die Gestaltung des Liedrepertoires in den kommenden Jahren haben“, regt er weiter an.

Wer aus der Studie dagegen die Konsequenz zieht, sich auf die letzten Inseln der Seligen zu konzentrieren und die missionarische Perspektive des Gottesdienstes völlig aufzugeben, verfehlt das Ziel. Dass unsere (hoch)kirchlichen „Liturgiker“ gern bei ihrer Sache bleiben wollen, ist mir nicht neu. Sie können das aber nur noch so lange die (volks)kirchlichen Steuermillionen fließen, da müssen wir doch ehrlich bleiben.

Wer seine Zielgruppen missachtet, wird den Schrumpfungsprozess der Volkskirchen nur weiter beschleunigen. Hier geht es doch auch nicht um Geschmacksfragen, die nur von gebildeten Kirchenmusikern beantwortet werden können, sondern um die Schlüsselfragen für die Zukunft der Kirche. Diese Fragen darf man um Gottes Willen nicht allein denen überlassen, die nur eine Reproduktion der gestrigen Kultur wünschen. Sonst geht es weiter wie bisher, zu viele Männer in Leitungsfunktionen der Kirchen, aber nur wenige unter den Gottesdienstbesuchern. Diese Schieflage kann nur durch eine gezielte Erneuerung verändert werden. Wie können wir gerade junge Männer von der Notwendigkeit eines Gottesdienstbesuchs überzeugen, welche Aufgaben können wir ihnen geben? Denn entscheidend für das Gelingen eines Gottesdienstes ist nicht sein elitäres Niveau in Sprache und Musik. sondern seine „evangelische“ Integrität: Kam das Evangelium in Sprache und Musik erlebbar an und wurden die Herzen der Menschen von Gottes Liebe in Jesus Christus berührt.

Ole Dost, Pfarrer und Religionslehrer, bringt dazu eine interessante Erfahrung zu Brief, die im Zusammenhang der EKD-Umfrage steht, in der nach seiner Meinung völlig verkürzt gefragt wurde. Er stellt dem eine Befragung in der eigenen Gemeinde gegenüber und kommt zu völlig anderen Ergebnissen, wie sie nach meiner Kenntnis in allen Gemeinden, die der neuen Musik eine Heimat im Gottesdienst geben, erzielt werden könnte: music is the key! Beachten Sie den Leserbrief dazu im Anhang.

 

copyright Christian Trebing

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