Anzeige

Sprache und Bildung

Lange Zeit wurden die Jünger Jesu nach einer Notiz der Apostelgeschichte als einfache Leute mit geringem Bildungsgrad dargestellt. Doch die Einschätzung von „einfachen“ und „ungelehrten Leuten“ entnehmen wir nach Apostelgeschichte 4,13 dem Urteil von Schriftgelehrten und dem Hohen Rat. Dieser Festlegung der damaligen „Elite“ des Jerusalemer Judentums sollten wir aber nicht folgen, denn es bedeutet eigentlich nur, sie sind nicht „so gelehrt“ wie wir, sie sind aus dem Volk! Diese Textstelle hat leider dazu geführt, die Jünger Jesu zu Analphabeten abzustempeln!

Kapernaum ist der Ort, aus dem viele Jünger in den Zwölferkreis kamen. Die kleine Stadt war oft Aufenthaltsort der Jesusgruppe, man hatte eine kleine „Zentrale“ im Haus der Schwiegermutter des Petrus (Jesus hatte diese Frau geheilt). Dieses Haus entwickelte sich später zu einer immer größer ausgebauten „Hauskirche“, die inzwischen vollständig erforscht ist und zahlreiche Funde zu Tage brachte. Heute ist über dem Gelände eine hypermoderne Kirche erbaut worden, durch deren Glasfußboden man die Grundmauern der alten Gebäude sehen kann.

Kapernaum lag unmittelbar an der bedeutendsten Handelsstraße, die durch Galiläa führte, der Via Maris. „So war man hier in Kapernaum am Puls der Zeit, und die Fischer um Simon Petrus waren schon seit ihrer Jugend in Bethsaida nicht nur fließend zweisprachig. Denn neben das selbstverständliche Aramäisch und Griechisch trat mit Sicherheit das Hebräische als Sprache des Gottesdienstes und der Bibellektüre und wohl auch zumindest ein wenig Latein, das man im Umgang mit den Offizieren der benachbarten Garnison aufgreifen konnte.“ (Carsten Peter Thiede, Petrus S. 27)

Wichtige Hinweise gibt uns auch MILLARD: „Angesichts dieser Wege, der Bautätigkeit in Tiberias unter Antipas und eines blühenden Salzfischhandels von Magdala (Tarichäa) erscheint es recht unwahrscheinlich, dass die Orte voneinander isoliert waren oder dass sich provinzielles Denken und Weltfremdheit entwickeln konnten.“
(MILLARD, Pergament, S. 184)
Die Latinismen im Evangelium nach Matthäus sind von Fachleuten schon früh erkannt worden und können ein Hinweis auf die Verfasserschaft des Jesusjüngers Matthäus sein. Er kam als Zollpächter aus einer vermögenden Familie, die mit den Römern kollaborierte und daraus hohe Gewinne erzielte. Er sprach mit hoher Wahrscheinlichkeit deshalb auch Latein, da im Bereich der römischen Verwaltung die eigene Landessprache vorherrschte.

Für eine frühe Abfassung dieses „Evangeliums“ spricht, dass Matthäus in der frühesten Judenmission engagiert war und deshalb positiv an die alttestamentlichen Traditionen anknüpfte, um die „Erfüllung der Schrift“ durch das „Kommen des Messias“ darzulegen. Ein Sohn aus einer Steuerpächterfamilie war selbstverständlich gebildet und insofern auch als Laie „schriftgelehrt“. Vielleicht geht die erste Fassung des Matthäusevangeliums, die nach Papias in aramäischer Sprache niedergeschrieben war, auf den Jünger Jesu zurück.

Die Durchdringung der Alltagswelt in Galiläa durch die griechische Sprache, und noch intensiver in der Gaulantis mit Bethsaida, war zur Zeit Jesu sehr ausgeprägt. „So wenden sich die griechischsprachigen Festpilger in Jerusalem (nach Johannes 12, 20-22) ausdrücklich an den griechischsprachigen Philippus und dieser zieht den ebenfalls griechischsprachigen Andreas hinzu. Da die Brüder Andreas und Simon aus derselben Familie stammten und es wohl keinen großen Unterschied in der Ausbildung gab, müssen wir annehmen, dass auch Simon Petrus diese aktive ‘Zweisprachenkompetenz’ besaß. Vielleicht waren seine Kenntnisse nicht so umfassend, dass er in dieser Sprache frei predigen konnte, deshalb ließ er sich nach einem Hinweis bei Papias bei seinen Missionspredigten von Markus in „gutes“ Griechisch übersetzen.“ (ebd., Thiede, Petrus, S.28) Ich glaube aber, dass Markus Johannes der „Hermeneutes“ des Petrus in einem viel umfassenderen Sinn war!

Eine gewisse Dreisprachigkeit ist aber daraus abzuleiten, „dass im Bereich der Synagoge natürlich auch Hebräischkenntnisse erforderlich waren. Denn Hinweise auf rein griechischsprachige Synagogen oder solche, in denen an Stelle der hebräischen Lesungen, Gebete und kultischen Handlungen nur aramäische Übersetzungen, ‘Targume’ usw. benutzt worden wären, gibt es für Galiläa nicht. Zusammen mit den vielleicht nur rudimentären, aber zweifellos anwendbaren Lateinkenntnissen finden wir also in dem Umfeld, in dem Simon, seine Verwandten und Kollegen und letztlich auch Jesus selbst aufwuchsen, eine abgestufte Viersprachigkeit vor. Die Mehrsprachigkeit war vielleicht die wichtigste ‘Mitgift’ der Fischer um Simon und Andreas, ehe sie zu Begleitern Jesu wurden. Auch er selbst brachte solche Vorausetzungen mit: Dass Jesus nicht nur Aramäisch als Muttersprache und Hebräisch als Kultsprache beherrschte (Lukas 4,17-21), ist heute ebenso unumstritten wie seine offenbar recht weitgehenden Griechischkenntnisse. Mit den künftigen Jüngern hatte er außerdem eine gewisse Elementarbildung gemeinsam, die damals männlichen Juden zugute kam. Lesen, Schreiben und das Auswendiglernen von Bibeltexten waren die wesentlichen Lernziele. Dabei liegt auf der Hand, dass damals wie heute nicht jeder Schüler gleich gute Leistungen erzielte, aber gerade für Besitzer und leitende Mitarbeiter von Fischereibetrieben war das Lesen und Schreiben unverzichtbar. Was in der Forschung kaum noch angezweifelt werden kann, sollte sich daher auch weiter herumsprechen: Simon und die anderen aus Bethsaida und Kapernaum waren weder ungebildet noch anderweitig zurückgeblieben. Dass sie mehrsprachig waren, lesen und schreiben konnten, einiges von den gemeinsamen Traditionen der Heiligen Schrift verstanden und außerdem noch ein Handwerk erfolgreich beherrschten, muss ihnen zugestanden werden und könnte auch dazu beigetragen haben, dass Jesus sie in seinen Kreis aufnahm.“
(C.P.THIEDE, Petrus, S.27f, vgl. auch: Rainer RIESNER, Jesus als Lehrer, Tübingen, 1988, S. 153-245).

Die Funde widersprechen auf jeden Fall der gängigen Theorie, dass Jesus sich mit Schreibunkundigen umgeben hätte, das Gegenteil ist der Fall. „Der Befund weist vielmehr darauf hin, dass es überall in Palästina und selbst in den ländlichen Regionen Leute gab, die (auch wenn sie keine Berufsschreiber waren) in ihren Alltagsgeschäften die Schrift zu nutzen wussten und auch imstande waren, Notizen von den Worten eines Predigers anzufertigen.“ (MILLARD, Pergament, S. 184)
In der neutestamentlichen Forschung des vergangenen Jahrhunderts hat sich das Vorurteil verfestigt, als seien die Evangelien in einer lese- und schreibunkundigen Gesellschaft entstanden. Als hätte es eine kleine gebildete Elite gegeben, die das Schreiben für geschäftliche Zwecke nutzte und eine große ungebildete Landbevölkerung, die ahnungslos und wundergläubig lebte. Gegen solche Vorstellungen sprechen eine Reihe geschichtlicher Fakten und viele Funde, die eine weite Verbreitung der Schreib- und Lesekunst belegen. Es gab auch in Galiläa in allen Dörfern und Städten Männer, die durch ihren Beruf befähigt waren, all das aufzuschreiben, was sie gehört hatten. Sei es als Gedächtnisstütze oder Information für andere. Die mit Tinte beschreibbaren Holztäfelchen boten dazu eine praktische Möglichkeit. Gesprochene Worte konnten rasch festgehalten werden. „Dies bedeutet auch, dass es zwischen Gesprochenem und Geschriebenem keine großen Unterschiede geben muss. Die Veränderungen, die mündlichen Überlieferungen bei ihrer schriftlichen Fixierung angeblich widerfuhren, sind zu stark gewichtet worden. Solche Veränderungen können, müssen aber nicht vorkommen, besonders dann nicht, wenn es um das Abfassen eines Berichts geht.“ (MILLARD, Pergament, S.203f)

So enthält das Babatha-Archiv (ein umfangreicher Papyri-Fund in der judäischen Wüste, der vom berühmten israelischen Archäologen Yigal Yadin bearbeitet wurde) Protokolle aus Stadtratssitzungen und Gerichtsverhandlungen, in denen die Aussagen der verschiedenen Parteien festgehalten wurden. Das ist zum Beispiel im Hinblick auf die lukanische Überlieferung in der Apostelgeschichte von großer Bedeutung.

In Briefen können direkte Beobachtungen und Berichte enthalten sein. „Mündliche Form schließt schriftliche Überlieferung nicht aus; Worte konnten, sobald sie ausgesprochen waren, schriftlich festgehalten werden.“ (MILLARD, Pergament, S. 204)

Das ist wohl die aufregendste Entdeckung, die MILLARD gemacht hat, ihre Konsequenz für die Verschriftlichung des Evangeliums ist weitreichend!

 

 

 

Wenn Sie etwas zu drucken haben, dann sind wir für Sie da!

 

Flyer, Gemeindebriefe, Firmendrucksachen, Mappen, Kalender?

Wir bieten die ganze Palette des Offsetdrucks!

 

Werbeartikel? Natürlich! Tassen, Holzartikel, kleine Geschenke.

Sie können selbst gestalten, was Sie brauchen: www.wortimbild.de

Wählen Sie dann Printcenter.

 

 

1. Wie kann ich meine Druckdaten bei Wort im Bild Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbH einreichen?

Gerne können Sie uns Ihre Daten per E-Mail über info@und-er-schrieb-doch.de oder auf CD, DVD oder USB-Stick liefern.

 

2. Welches Dateiformat sollte meine Datei haben?

Ideal zum Drucken eignet sich eine Datei im PDF-Format. Für Bilddrucke empfehlen wir die Formate JPG, PSD, TIF oder EPS.

 

3. Welche Auflösung benötige ich für Posterdrucke?

Bei Postern oder anderen großflächigen Drucken empfehlen wir eine Auflösung von mindestens 300 oder 600 dpi. In Einzelfällen kann auch eine Auflösung von 200 dpi ausreichen.

 

4. Kann ich meine Daten vor dem Ausdruck nochmals an einem PC ansehen?

Extra für unsere Kunden haben wir einen eigenen Computer-Arbeitsplatz eingerichtet. Hier sind die gängigsten Programme, wie z.B. Microsoft Word oder Open Office, bereits installiert und auch ein universeller Card-Reader steht Ihnen zur Verfügung. Die Benutzung ist natürlich kostenlos.

 

Sie haben weitere Fragen zu Ihrem Druck?

Rufen Sie uns einfach an unter +49 6047 9646-0 oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© 2017 Wort im Bild Verlags- und Vertriebsgesellschaft mbH